Geräuschunterdrückende Kopfhörer liegen im Trend. Als Werkzeuge des hybriden Arbeitens sind sie aus Grossraumbüros kaum mehr wegzudenken. Doch bei zu hoher Lautstärke bergen die Geräte Risiken fürs Gehör. Der TÜV-Verband gibt Tipps zum Lärmschutz im Job.

Sie sind längst ein Statussymbol: Kopfhörer mit ANC-Technologie („Active Noise Cancelling“). Über eingespielte Gegenschallwellen werden die Umgebungsgeräusche unterdrückt. Das hilft nicht nur in rauschenden Flugzeugen, auch in trendigen Grossraumbüros schotten sich immer mehr Beschäftigte mit lärmunterdrückenden Kopfhörern ab. „Seit Videokonferenzen und offene Büroflächen im Arbeitsalltag deutlich zugenommen haben, nehmen viele Mitarbeitende die Kopfhörer kaum noch von den Ohren“, sagt André Siegl, Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV-Verband.
Arbeitgeber stehen in der Pflicht, einschlägige Normen und Regelwerke einzuhalten. Darin sind klare Anforderungen an Raumakustik, Nachhallzeiten und maximale Lautstärken am Arbeitsplatz enthalten. Vor allem geht es dabei um die bauliche Gestaltung.
Alles für die Konzentration: Vorteile und Nachteile
Allerdings empfinden viele Beschäftigte die Geräuschkulisse in Mehrpersonen- oder Grossraumbüros als störend. Optisch ähneln Noise-Cancelling-Kopfhörer als Over-Ear-Variante den Kapselgehörschützern, die zum Beispiel im Strassenbau eingesetzt werden. Noise-Cancelling-Kopfhörer sind jedoch keine Schutzausrüstung. Sie können aber das subjektive Wohlbefinden steigern, indem sie irrelevante Gespräche oder Tastaturklappern ausblenden. Studien zufolge können sie helfen, sich besser zu konzentrieren, aber eben nur, solange man nicht unbewusst die Lautstärke hochdreht und damit die Dezibel-Empfehlungen der Regelwerke deutlich überschreitet.
Die Lautstärke macht den Unterschied
Entscheidend ist, dass Musik oder Geräusche nicht zu laut ausgespielt werden. Funktionen wie eine elektronische Lautstärkebegrenzung (Automatic Volume Limiter System) sind in vielen Kopfhörermodellen integriert oder können über mobile Endgeräte eingestellt werden. Neben den Auswirkungen auf das Hörvermögen gibt es erste Berichte darüber, dass bei einer dauerhaften Verwendung von Noise-Cancelling das Gehirn die Möglichkeit verliert, zwischen verschiedenen Geräuschen zu unterscheiden und diese nach ihrer Relevanz richtig einzuordnen. Auch ist die Gefahr der sozialen Isolation zu bedenken, wenn pausenlos abschottende Kopfhörer getragen werden. Fast alle Modelle bieten einen Transparenzmodus, bei dem man zumindest abgeschwächt auch noch Umgebungsgeräusche wahrnimmt. Siegl: „Wichtig: Unsere Ohren und auch unser Geist brauchen Pausen. Man sollte die Kopfhörer in jedem Fall regelmässig absetzen.“ Faustregel: Jede Stunde für fünf bis zehn Minuten auf die Kopfhörer verzichten.
Organisatorische Massnahmen
Eine Möglichkeit für Arbeitgeber, diesen Trend zu begleiten, ist das Angebot regelmässiger Hörtests. Auch bauliche und organisatorische Massnahmen können dazu beitragen, mehr Ruhe zu schaffen für konzentrationsintensive Tätigkeiten. Mit Meetingzonen, die mit schallabsorbierenden Wandelementen wie Filz oder Akkustikpaneelen ausgestattet sind, oder schallgedämmten „Telefonzellen“ für Telefonate oder Videokonferenzen lassen sich Büros in Sachen Umgebungston verbessern. Ein weiteres technisches Hilfsmittel ist die sogenannte Sound-Maskierung: Dabei wird ein leiser, als angenehm empfundener Ton dauerhaft ausgestrahlt, der laute Störgeräusche wie Gesprächsfetzen überlagert und ummantelt.
Aufs Ohr oder ins Ohr – verschiedene Kopfhöreroptionen
Bei der Wahl des richtigen Kopfhörers haben Nutzer verschiedene Optionen. Over-Ear-Kopfhörer unterdrücken in der Regel die Aussengeräusche am effektivsten, da sie am meisten Platz für die Mikrofone bieten, die für die aktive Geräuschunterdrückung eingesetzt werden. Kompakte In-Ear-Kopfhörer, die direkt im Gehörgang sitzen, gelten als besonders praktisch und transportabel auch dank ihrer mitgelieferten Ladehülle. Ein guter Kompromiss aus Funktion und Kompaktheit sind On-Ear-Kopfhörer, die gepolstert auf dem Ohr liegen.
Den Fokus finden: Mit Musik oder auch Rauschen
Die Frage, welcher Sound zur besseren Konzentration beiträgt, ist Geschmackssache. Viele Menschen schwören auf klassische Musik und Klavierklänge, andere auf elektronische Lounge- und Chill-out-Songs. „In aller Regel sind reine Instrumentalstücke besser geeignet als Musik mit Gesangseinlagen“, sagt Siegl. Eine Alternative ist das „weisse Rauschen“ – ein monotones Hintergrundgeräusch, das verschiedene Frequenzen abdeckt und erwiesenermassen beruhigend wirkt. Auch abgewandelte Frequenzen, oft farblich benannt, haben Soundtüftler kreiert. In etwas tieferer Frequenz wirkt das „Braune Rauschen“ ebenfalls stressabbauend und konzentrationsfördernd.
