Die guten Vorsätze und ihre Umsetzung

Zum Jah­res­wech­sel fas­sen vie­le Men­schen gute Vor­sät­ze. Doch kur­ze Zeit spä­ter sind sie meist schon wie­der ver­ges­sen oder auf­ge­scho­ben. War­um das so ist und was die erfolg­rei­che Umset­zung sol­cher Vor­sät­ze und Ent­schei­dun­gen bewirkt, ver­rät die Wirt­schafts­psy­cho­lo­gin Sabi­ne Prohaska.

Für Führungskräfte ist es nicht immer leicht, die Work-Life-Balance gesunderhaltend umzusetzen. Abbildung: Elisa Ventur, Unsplash
Für Füh­rungs­kräf­te ist es nicht immer leicht, die Work-Life-Balan­ce gesund­erhal­tend umzu­set­zen. Abbil­dung: Eli­sa Ven­tur, Unsplash

Zie­he ich der Kar­rie­re wegen um oder sind mir mei­ne Freun­de wich­ti­ger? Spa­re ich jeden Monat einen Teil des Gehalts fürs Alter oder flie­ge ich nach Hawaii? Vor sol­chen schwie­ri­gen Ent­schei­dun­gen ste­hen wir im Leben hin und wie­der. Dabei ist es eine Illu­si­on anzu­neh­men, alles sei zugleich möglich.

Versuchen, die Illusion zu durchschauen

Ent­schei­dun­gen zu tref­fen fällt vie­len Men­schen schwer. Denn: Wenn wir uns für etwas ent­schei­den, müs­sen wir ande­re Mög­lich­kei­ten ver­wer­fen. Das kön­nen wir nur, wenn wir wis­sen, was uns wich­tig ist. Sonst fas­sen wir zwar vie­le Vor­sät­ze, doch weni­ge Tage spä­ter sind sie ver­ges­sen, weil sie nicht in einer Lebens­vi­si­on ver­an­kert sind. Hin­zu kommt: Was in unse­rem Leben wirk­lich wich­tig ist, ist nie drin­gend. Es ist zum Bei­spiel nie drin­gend, jog­gen zu gehen. Es wäre aber gut für unse­re Gesund­heit. Weil die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge nie drin­gend sind, schie­ben wir sie oft vor uns her. Oder wir hegen die Illu­si­on: Wenn ich alles schnel­ler erle­di­ge, habe ich auch für die ande­ren Din­ge mehr Zeit. Die ein­zi­ge Kon­se­quenz ist, dass wir ein Leben im High-Speed-Tem­po füh­ren. Und irgend­wann stel­len wir resi­gniert fest: Nun füh­re ich zwar ein (noch) ge-füll­te­res Leben, aber kein er-füll­tes Leben.

Herausforderung: Die Balance im Leben wahren

Eine sol­che Schief­la­ge ist kein Ein­zel­schick­sal. Immer mehr Men­schen plagt das Gefühl: Mein Leben ist nicht im Lot. Eine Ursa­che hier­für ist:, dass bezo­gen auf ihre beruf­li­che Lauf­bahn die mei­sten Men­schen eine kla­re Per­spek­ti­ve haben. Anders sieht es in den Lebens­be­rei­chen „Sinn/Kultur“, „Körper/Gesundheit“ und „Familie/Beziehung“ aus. Hier feh­len ihnen häu­fig kla­re Zie­le. In der All­tags­hek­tik über­se­hen wir zudem oft, dass die vier Lebens­be­rei­che in einer Wech­sel­be­zie­hung zuein­an­der­ste­hen. Des­halb ver­liert, wer etwa den Bereich „Arbeit/Beruf“ län­ger­fri­stig über­be­tont, auf Dau­er neben sei­ner Lebens­freu­de auch sei­ne Lei­stungs­kraft. Denn:

  • Wer krank ist, kann weder sein Leben in vol­len Zügen genies­sen, noch ist er vol­ler Leistungskraft.
  • Wer ein­sam ist, ist weder „quietsch-ver­gnügt“, noch kann er sei­ne vol­le Ener­gie auf sei­nen Job verwenden.
  • Wer in einer Sinn­kri­se steckt, ist weder lebens­froh noch sehr lei­stungs­fä­hig. Denn hin­ter allem Tun steht die Fra­ge: Was soll das Ganze?

Damit wir ein erfüll­tes Leben füh­ren, müs­sen wir also für die rech­te Balan­ce zwi­schen den vier Lebens­be­rei­chen sor­gen. Hier­für benö­ti­gen wir eine Visi­on unse­res künf­ti­gen Lebens. Die­se brau­chen wir auch, weil heu­te vie­le Anfor­de­run­gen an uns gestellt wer­den, die sich nur bedingt mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren las­sen. Das wer­den fast alle berufs­tä­ti­gen Müt­ter und Väter sofort bestätigen.

So sind in den mei­sten höher qua­li­fi­zier­ten Jobs unre­gel­mäs­si­ge Arbeits­zei­ten nor­mal. Zumin­dest für allein­er­zie­hen­de Müt­ter und Väter bedeu­tet dies: Sie kön­nen nicht mehr täg­lich um Punkt 16 Uhr das Büro ver­las­sen. Was sol­len sie also tun, wenn der Kin­der­gar­ten um 16 Uhr schliesst? Noch ein Bei­spiel: Vie­len Füh­rungs­kräf­ten fällt es zuneh­mend schwer, auf­grund der vie­len Fäden, die auf ihren Schreib­ti­schen zusam­men­lau­fen, regel­mä­ßi­ge pri­va­te Ter­mi­ne wahr­zu­neh­men. Denn immer wie­der gilt es, im Büro noch schnell etwas Wich­ti­ges zu erle­di­gen. Also sind (Interessen-)Konflikte vorprogrammiert.

Ausreichend Bewegung und freie Zeit an der frischen Luft fördern die Zufriedenheit. Abbildung: Emma Simpson, Unsplash
Aus­rei­chend Bewe­gung und freie Zeit an der fri­schen Luft för­dern die Zufrie­den­heit. Abbil­dung: Emma Simpson, Unsplash

Herausforderung: Das eigene Leben managen

Hier­aus resul­tiert eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung: Wir müs­sen sozu­sa­gen Mana­ger unse­res eige­nen Lebens wer­den – also Per­so­nen, die durch ihr heu­ti­ges Han­deln dafür sor­gen, dass sie auch künf­tig ein glück­li­ches und erfüll­tes Leben füh­ren. Der erste Schritt hier­zu besteht dar­in, dass wir eine Visi­on von unse­rem künf­ti­gen Leben ent­wickeln. Set­zen Sie sich des­halb an einem ruhi­ge­ren Tag oder lan­gen Wochen­en­de hin und fra­gen Sie sich bezo­gen auf die vier Lebensbereiche:

  • Was ist mir wirk­lich wichtig?
  • Wor­in zeigt sich für mich ein erfüll­tes Leben? Und:
  • Was soll­te ich heu­te tun, damit ich auch in Zukunft ein glück­li­ches Leben führe?

Fra­gen Sie sich zudem (regel­mäs­sig): Gibt es in mei­nem Lebens­um­feld Anzei­chen dafür, dass künf­tig die Balan­ce in mei­nem Leben bedroht sein könn­te? Das ist gera­de in den aktu­el­len Kri­sen­zei­ten extrem wich­tig, da sich in ihnen in unse­rem Lebens­um­feld so viel ändert.

Warnsignale können sein:

  • Zwi­schen Ihnen und Ihrem Lebens­part­ner herrscht zuneh­mend Schwei­gen. Auch wich­ti­ge Freun­de mel­den sich nicht mehr.
  • In Ihrem Betrieb lau­tet die ober­ste Maxi­me plötz­lich „spa­ren“.
  • Sie fra­gen sich immer häu­fi­ger: Was soll das Ganze?
  • Sie spü­ren ab und zu ein Ste­chen in der Herzgegend.

Heute die Basis für ein erfülltes Leben morgen schaffen

Haben Sie die­se Fra­gen für sich beant­wor­tet, dann kön­nen Sie kon­kre­te Vor­sät­ze fas­sen und einen Mass­nah­men­plan ent­wer­fen, wie Sie die­se rea­li­sie­ren. Und zwar, ohne dass die Gefahr besteht, dass Sie Ihre Vor­sät­ze schon wie­der ver­ges­sen haben, kaum sind die Sil­ve­ster­ra­ke­ten ver­glüht. Denn Ihre Vor­sät­ze sind nun in einer Visi­on von Ihrem künf­ti­gen Leben verankert.

Prohaska Sabine

Sabi­ne Prohaska,

Trai­ne­rin, Coach und Inhaberin,

Semi­nar consult.

seminarconsult.at