Offene Büros funktionieren nur mit klaren Zonen

In offe­nen Büros zeigt sich häu­fig ein Pro­blem: Gesprä­che und Tele­fo­na­te blei­ben nicht am Arbeits­platz, son­dern sind weit­hin hör­bar. Mit­ar­bei­ten­de hören deut­lich mehr, als sie für ihre Arbeit benö­ti­gen. Die Spe­zia­li­sten von Baur Aku­stik beschrei­ben, wie Flä­chen­zo­nie­rung zu bes­se­rer Raum­aku­stik beiträgt.

Mobile Stellwände und Tischaufsätze können zu einer besseren Raumakustik beitragen. Abbildung: Baur Akustik
Mobi­le Stell­wän­de und Tisch­auf­sät­ze kön­nen zu einer bes­se­ren Raum­aku­stik bei­tra­gen. Abbil­dung: Baur Akustik

Dau­er­haf­te aku­sti­sche Bela­stung kann Stress ver­stär­ken, die Lei­stungs­fä­hig­keit min­dern und lang­fri­stig krank machen. Kon­zen­trier­tes Arbei­ten wird anstren­gend, die Reiz­be­la­stung steigt. Stei­gen­de Fehl­zei­ten durch psy­chi­sche Bela­stung sind in vie­len Unter­neh­men bereits Realität.

Wenn Verständlichkeit zum Problem wird

Ent­schei­dend ist nicht die Laut­stär­ke, son­dern wie gut Gesprä­che über Distanz ver­stan­den wer­den. Je ver­ständ­li­cher Spra­che im Raum ist, desto stär­ker lenkt sie ab. Genau das ist in offe­nen Struk­tu­ren häu­fig der Fall. Damit ent­steht ein Ziel­kon­flikt: Sicht­bar­keit, kur­ze Wege und direk­te Anspra­che sind gewünscht. Aku­stisch fehlt jedoch die not­wen­di­ge Abgrenzung.

Die Lösung liegt in einer kla­ren Dif­fe­ren­zie­rung inner­halb der Flä­che. Unter­schied­li­che Tätig­kei­ten benö­ti­gen unter­schied­li­che aku­sti­sche Bedin­gun­gen. Zonie­rung bedeu­tet dabei nicht Abschot­tung, son­dern Struk­tur. Berei­che für Aus­tausch, kon­zen­trier­tes Arbei­ten und kur­ze Abstim­mun­gen wer­den so ange­ord­net, dass sie sich gegen­sei­tig mög­lichst wenig stö­ren. Ent­schei­dend ist, dass sich Spra­che nicht unge­hin­dert durch den gesam­ten Raum ausbreitet.

Planungsgrundlage statt Baugefühl

Nach­hall­zeit­mes­sun­gen und digi­ta­le Aus­wer­tun­gen machen sicht­bar, wie sich Spra­che im Raum aus­brei­tet und wo Hand­lungs­be­darf besteht. Ent­schei­dun­gen las­sen sich so nach­voll­zieh­bar tref­fen und gezielt umset­zen. Dass sich die­ser gerin­ge Auf­wand lohnt, zeigt ein Tool des Fraun­ho­fer-Insti­tuts für Bau­phy­sik (IBP). Es ver­an­schau­licht, wel­che Kosten durch aku­sti­sche Stö­run­gen ent­ste­hen kön­nen – etwa durch sin­ken­de Kon­zen­tra­ti­on oder stei­gen­de Fehlzeiten.

Auch wenn sol­che Model­le ver­ein­fa­chen, wird eines deut­lich: Aku­stik ent­schei­det nicht nur über Kom­fort, son­dern über Lei­stungs­fä­hig­keit und Wirtschaftlichkeit.

Auch Deckenpaneele reduzieren die Nachhallzeit im Raum spürbar und sorgen für eine angenehme Akustik. Abbildung: Baur Akustik
Auch Decken­pa­nee­le redu­zie­ren die Nach­hall­zeit im Raum spür­bar und sor­gen für eine ange­neh­me Aku­stik. Abbil­dung: Baur Akustik

Massnahmen im Raum und im Verhalten

Für die Zonie­rung offe­ner Büro­flä­chen ste­hen unter­schied­li­che Ansät­ze zur Ver­fü­gung, die sich kom­bi­nie­ren las­sen. Beson­ders tex­ti­le, schall­ab­sor­bie­ren­de Ele­men­te bie­ten die Mög­lich­keit, aku­stisch wirk­sa­me Struk­tu­ren zu schaf­fen, ohne die visu­el­le Offen­heit aufzugeben.

  • Tisch­auf­sät­ze zur direk­ten Abschir­mung am Arbeitsplatz.
  • Abge­häng­te Raum­tei­ler zur Struk­tu­rie­rung grös­se­rer Flächen.
  • Mobi­le Stell­wän­de für fle­xi­ble Anpas­sun­gen im Alltag.

Sie redu­zie­ren die Aus­brei­tung von Spra­che und tra­gen gleich­zei­tig zu einer ruhi­gen, mate­ri­al­ge­präg­ten Atmo­sphä­re bei.

Planung und Einbeziehung der Mitarbeitenden

Neben der Pla­nung ist auch das Ver­hal­ten ent­schei­dend. Erfolg­rei­che Pro­jek­te bezie­hen Mit­ar­bei­ten­de früh­zei­tig ein und defi­nie­ren gemein­sa­me Regeln. Gesprä­che wer­den bewusst ver­la­gert, statt über meh­re­re Arbeits­plät­ze hin­weg geführt – so wird ver­hin­dert, dass sich Kom­mu­ni­ka­ti­on unkon­trol­liert im Raum aus­brei­tet. Patric Kil­go­re, Baur Aku­stik: „Offe­ne Büros brau­chen mehr als offe­ne Grund­ris­se. Ohne kla­re aku­sti­sche Struk­tur ist kon­zen­trier­tes Arbei­ten kaum mög­lich. Gute Lösun­gen ent­ste­hen, wenn Ana­ly­se, Pla­nung und Nut­zung zusam­men­ge­dacht wer­den – von Beginn an oder im Bestand.“