Der Briefumschlag wird 200

Im Juli fei­ert der Brief­um­schlag sei­nen 200. Geburts­tag. In all den Jah­ren hat er Höhen und Tie­fen durch­lebt. Zuletzt ist er dank sei­ner Wand­lungs­fä­hig­keit für das E-Com­mer­ce inter­es­sant gewor­den. Her­bert Till­mann, Spe­zia­list für Ver­sand­ver­packun­gen, blickt auf die Geschich­te des Büro-Klas­si­kers zurück.

Der Briefumschlag feiert im Juli 2020 seinen 200sten Geburtstag. Abbildung: Diana Akhmetianova/unsplash
Der Brief­um­schlag fei­ert im Juli 2020 sei­nen 200sten Geburts­tag. Abbil­dung: Dia­na Akhmetianova/unsplash

Es war nicht immer so, dass Brie­fe in sepa­ra­te Brief­hül­len ver­packt wur­den. Bis Anfang des 19. Jahr­hun­derts wur­den sie durch Umfal­ten oder Auf­rol­len und Ver­sie­geln vor unbe­rech­tig­tem Zugriff geschützt. Vie­le ken­nen sol­che Papier­rol­len sicher aus den alten Man­tel- und Degen­fil­men. Mit zuneh­men­dem Post­ver­kehr wur­de die­se Pra­xis jedoch immer kosten­in­ten­si­ver und auf­wen­di­ger.

In England beginnt die Geschichte des Briefumschlags

Im Jahr 1820 erfand der bri­ti­sche Buch- und Papier­wa­ren­händ­ler S. K. Bre­wer in Brighton einen Umschlag aus Papier, in den ein Brief gesteckt wer­den konn­te. So spar­te er sich das zeit­rau­ben­de Fal­ten des beschrie­be­nen Bogens und den Ver­schluss mit einem Sie­gel. Zudem konn­te der Bogen nun von bei­den Sei­ten beschrie­ben wer­den. Bre­wer pro­du­zier­te die Umschlä­ge zunächst in Hand­ar­beit, wobei er sie mit­hil­fe von Blech­scha­blo­nen zurecht­schnitt. Doch die Nach­fra­ge nach den neu­en Brief­um­schlä­gen war gross, und so ver­gab Bre­wer 1835 an die Lon­do­ner Fir­ma Dobbs & Comp. den Auf­trag zur Her­stel­lung von Brief­um­schlä­gen als Mas­sen­ar­ti­kel.

Bekannt aus alten Mantel- und Degenfilmen. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden Briefe so versendet. Abbildung: Pixabay
Bekannt aus alten Man­tel- und Degen­fil­men. Bis weit ins 19. Jahr­hun­dert wur­den Brie­fe so ver­sen­det. Abbil­dung: Pixabay

Das 19. Jahrhundert bringt zunehmende Technisierung

Mit­te der 1840er-Jah­re ent­wickel­ten die Eng­län­der Edwin Hill und War­ren De La Rue die Tret-Falz­ma­schi­ne für die Her­stel­lung von Brief­um­schlä­gen. Ihre erste paten­tier­te Maschi­ne wur­de dann im Jahr 1851 auf der Welt­aus­stel­lung in Lon­don vor­ge­stellt.

In Deutsch­land wur­de die erste Brief­um­schlag­fa­brik im Jahr 1849 vom Kauf­mann Rom­me­ler in Jülich gegrün­det. Da die Maschi­nen kei­ne Seri­en­rei­fe besas­sen, wur­den die Umschlä­ge anfangs noch per Hand her­ge­stellt. Voll­stän­dig maschi­nell wur­de in Deutsch­land erst­mals bei der Wup­per­ta­ler Fir­ma Rem­kes gefer­tigt. Der Papier­händ­ler Carl Rem­kes erwarb dazu 1851 eine der Brief­um­schlag­ma­schi­nen auf der Welt­aus­stel­lung.

Auf dem Weg zum Massenprodukt

Rich­tig erfolg­reich mit der maschi­nel­len Her­stel­lung von Brief­hül­len war die Fir­ma Rein­hart Schmidt. Sie betrieb um 1870 bereits meh­re­re Maschi­nen, die von je zwei Arbei­te­rin­nen bedient wur­den. Bereits 1874 lag die Gesamt­ta­ges­lei­stung im Durch­schnitt bei 150.000 Stück. 1913 wur­den täg­lich mehr als eine Mil­li­on Brief­um­schlä­ge her­ge­stellt.

Die Fir­ma Rein­hart Schmidt war es auch, die Anfang des 20. Jahr­hun­derts die Pro­duk­ti­on von Brief­um­schlä­gen mit Lack­sicht­fen­ster zur Seri­en­rei­fe brach­te. Dafür wur­de ein Lack auf die Rück­sei­te des geöff­ne­ten Brief­um­schlags auf­ge­bracht. Spä­ter wur­den die Lack­fen­ster durch Per­ga­min-Fen­ster­hül­len ersetzt. Der moder­ne Brief­um­schlag, wie wir ihn heu­te ken­nen, war gebo­ren.

Neue Formate bedeuten neue Chancen für die wandelbaren Cuverts. Abbildung: Brando makes Branding/unsplash
Neue For­ma­te bedeu­ten neue Chan­cen für die wan­del­ba­ren Kuverts. Abbil­dung: Bran­do makes Branding/unsplash

Digitalisierung, Rückgang und neue Chancen

E-Mails, Social-Media und die zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung hat­ten dem Brief­um­schlag zuletzt das Leben schwer gemacht, düste­re Pro­gno­sen spra­chen sogar schon von einem Aus­lauf­mo­dell. Doch für Nost­al­gie ist es noch zu früh. Denn para­do­xer­wei­se bringt aus­ge­rech­net die Digi­ta­li­sie­rung dem Brief­um­schlag auch neue Chan­cen. So bie­tet der Online­han­del mitt­ler­wei­le ver­schie­de­ne Brief­um­schlä­ge und Ver­packun­gen an, die es ermög­li­chen, Waren so zu ver­schicken, dass sie in den Brief­ka­sten zuge­stellt wer­den kön­nen.


Herbert_Tillmann
Her­bert Till­mann,
Inha­ber Til­mann Druck GmbH.
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