Die Geschichte der Büroklammer

Es konn­te bis heu­te nicht zwei­fels­frei fest­ge­stellt wer­den, wer die moder­ne Büro­klam­mer erfun­den hat. Sicher ist aber, dass sie für vie­le Nor­we­ger einen beson­de­ren Stel­len­wert ein­nimmt und dass die Ame­ri­ka­ner jedes Jahr am 29. Mai den Tag der Büro­klam­mer fei­ern, den Natio­nal Paper­clip Day. Eine histo­ri­sche Ent­deckungs­rei­se.

Diese Zeichnung einer Büroklammer stellt einen frühen Entwurf aus dem Jahr 1899 dar. Abbildung: Wikimedia Commons/Roede/Malyszkz
Die­se Zeich­nung einer Büro­klam­mer stellt einen frü­hen Ent­wurf aus dem Jahr 1899 dar. Abbil­dung: Wiki­me­dia Commons/Roede/Malyszkz

Im Zuge der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung wird die­ses unschein­ba­re Ding in Büro­um­ge­bun­gen und an hei­mi­schen Schreib­ti­schen heu­te zwar etwas weni­ger ver­wen­det, trotz­dem ist es noch an vie­len Orten anzu­tref­fen – ob in Schreib­tisch­schub­la­den, Stif­te­kö­chern oder Abla­gen. Aber wie fand die Büro­klam­mer eigent­lich ihren Weg in die moder­ne Büro­welt?

Erste Patente und verschiedene Erfinder

Das Ear­ly Office Muse­um listet mehr als 20 Paten­te und Erfin­der auf. Schon 1867 hat sich der Ame­ri­ka­ner Samu­el B. Fay bei­spiels­wei­se ein betref­fen­des Patent aus­stel­len las­sen. Sei­ne Klam­mer war aber nur eine Art Vor­läu­fer des heu­te bekann­ten Modells. Um 1890 wur­de dann der heu­te noch weit ver­brei­te­te Typ von der bri­ti­schen Gem Manu­fac­tu­ring Com­pa­ny auf den Markt gebracht und etwas spä­ter auch indu­stri­ell her­ge­stellt. Beson­ders vehe­ment rekla­mie­ren aller­dings die Nor­we­ger die Erfin­dung der Büro­klam­mer für sich. Inter­es­sant dabei ist, dass der Nor­we­ger Johan Vaa­ler sein Patent erst 1899 hat­te regi­strie­ren las­sen. Und im Anschluss hat­te er es nicht ein­mal ver­mark­tet.

Der Norweger Johan Vaaler im Jahr 1887. Er gilt als einer der Erfinder der Büroklammer. Abbildung: Wikimedia Commons
Der Nor­we­ger Johan Vaa­ler im Jahr 1887. Er gilt als einer der Erfin­der der Büro­klam­mer. Abbil­dung: Wiki­me­dia Com­mons

Eine Klammer als Symbol des Widerstands

Damit die beson­de­re Bedeu­tung der Büro­klam­mer für die Nor­we­ger bes­ser ver­stan­den wer­den kann, muss man bis in das Jahr 1940 zurück­ge­hen, als die deut­sche Wehr­macht das skan­di­na­vi­sche Land besetz­te. Das Tra­gen der Büro­klam­mer am Kra­gen wur­de damals zu einem Sym­bol der Soli­da­ri­tät der Nor­we­ger unter­ein­an­der. Zudem war es Aus­druck ihrer Loya­li­tät zum König, der ins Exil nach Eng­land gegan­gen war. Die dahin­ter ste­hen­de Losung hiess: „Wir hal­ten zusam­men“. Sehr bald war das Tra­gen der Büro­klam­mer aber unter Andro­hung har­ter Stra­fen durch die Beset­zer ver­bo­ten. Nicht weni­ge Nor­we­ger wur­den des­halb für das Tra­gen einer Büro­klam­mer ins Gefäng­nis gesteckt. So ist es wenig über­ra­schend, dass die heu­te mit sie­ben Metern gröss­te Büro­klam­mer der Welt in Oslo steht – als Sym­bol für den Wider­stand gegen die Nazis.

Inspi­riert vom nor­we­gi­schen Mythos wie­der­um knüpf­te 1998 das welt­weit bekannt gewor­de­ne Büro­klam­mern-Pro­jekt der Whit­well Midd­le School in Ten­nes­see an: Dort ent­stand ein Denk­mal aus sechs Mil­lio­nen Büro­klam­mern für sechs Mil­lio­nen Opfer des Holo­caust.

Sieben Meter hoch ist das Denkmal der Büroklammer in Oslo. Abbildung: Wikimedia Commons/Lars Roede
Sie­ben Meter hoch ist das Denk­mal der Büro­klam­mer in Oslo. Abbil­dung: Wiki­me­dia Commons/Lars Roe­de

So vielseitig und vielfältig: die Büroklammer

Die­se sym­bo­li­schen Bedeu­tun­gen sind schon erstaun­lich, gera­de wenn man bedenkt, dass es sich nur um ein gebo­ge­nes Draht­stück han­delt, das erfun­den wur­de, um für mehr Ord­nung in Unter­la­gen zu sor­gen. Viel­leicht hat zur Lang­le­big­keit des unschein­ba­ren Pro­duk­tes bei­getra­gen, dass die Mög­lich­kei­ten der Zweck­ent­frem­dung bei der Büro­klam­mer beson­ders viel­fäl­tig sind: ob als Zahn­sto­cher, Pfei­fen­rei­ni­ger, Tür­öff­ner, Lese­zei­chen, Fin­ger­na­gel­rei­ni­ger usw. Als Hilfs­as­si­stent „Karl Klam­mer“ in der Office-Serie von Micro­soft hat die Büro­klam­mer sogar den Sprung in die digi­ta­le Welt geschafft.

Was es sonst noch zu entdecken gibt

Büro­klam­mern gibt es heu­te in spit­zer, run­der und drei­ecki­ger Form. Es gibt glat­te, gewell­te, ver­kup­fer­te, ver­zink­te, ver­nickel­te und wel­che aus Kunst­stof­fen (zum ersten Mal 1953 von Lau­rel). Als Prä­sen­te sind sogar ver­gol­de­te und ver­sil­ber­te Klam­mern erhält­lich. Wie ein­gangs erwähnt, ist es mit dem Vor­an­schrei­ten der Digi­ta­li­sie­rung etwas stil­ler gewor­den um die Büro­klam­mer. Ver­schwun­den ist sie aber noch lan­ge nicht.

Büro­klam­mern las­sen sich auch aus­ser­halb ihres natür­li­chen Habi­tats, des Schreib­tischs am Arbeits­platz, sehr gut ver­wen­den. Ein Video zu Life­hacks, eine (etwas in die Jah­re gekom­me­ne, aber immer noch sehens­wer­te) Twit­ter-Grup­pe zu #Büro­klam­mer­kunst und eine Web­site mit unzäh­li­gen geo­me­tri­schen Kunst­fi­gu­ren aus Büro­klam­mern sind Bei­spie­le dafür, wie weit sich das klei­ne Draht­stück abseits des Büro­um­felds in unse­rer Kul­tur ver­brei­tet hat.

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