Vertrieb im Wandel #1: Community Building im Key Account Management

Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge Chri­sti­an Bern­hardt beschreibt in sei­ner hier star­ten­den Kolum­ne, wel­che Fähig­kei­ten für das Key Account Manage­ment essen­zi­ell sind. In Teil eins wid­met er sich dem Auf­bau eines funk­tio­nie­ren­den Netzwerks.

Passende Netzwerke sind ein entscheidender Baustein eines erfolgreichen Key Account Managements. Abbildung: peopleimages.com, Depositphotos
Pas­sen­de Netz­wer­ke sind ein ent­schei­den­der Bau­stein für ein erfolg­rei­ches Key Account Manage­ment. Abbil­dung: peopleimages.com, Depositphotos

Haben Sie ein­mal ver­sucht, einen mas­si­ven Fels­brocken allein aus dem Weg zu räu­men? Egal, wie viel Kraft Sie auf­wen­den, irgend­wann stos­sen Sie an Ihre phy­si­schen Gren­zen. Holen Sie sich jedoch ein paar Hel­fer und einen Hebel dazu, bewegt sich der Stein fast wie von selbst. Genau vor so einem sprich­wört­li­chen Fels­brocken ste­hen aktu­ell vie­le Key Account Mana­ger (KAM).

Die zunehmende Komplexität der Geschäftswelt

Unse­re Geschäfts­welt wird in rasan­tem Tem­po immer kom­ple­xer. Wer in die­sem Set­ting ver­sucht, alle Pro­ble­me des Kun­den im Allein­gang zu lösen, stösst immer häu­fi­ger an sei­ne Gren­zen. Die System­theo­rie beschreibt, dass es als Gegen­ge­wicht eine star­ke Ver­net­zung braucht. Um die­se zu errei­chen, müs­sen KAM das Öko­sy­stem der Orga­ni­sa­ti­on aus­wei­ten und die Anzahl der mit­ein­an­der ver­netz­ten Akteu­re erhöhen.

Die nachhaltige Entwicklung der Community

An die­ser Stel­le kommt Com­mu­ni­ty Buil­ding ins Spiel, des­sen Effi­zi­enz auf einem Phä­no­men basiert, dass bereits in den 1980er-Jah­ren vom Ether­net-Pio­nier Robert Met­cal­fe for­mu­liert wur­de. Metcalfe’s Law besagt, dass sich der Wert eines Netz­werks pro­por­tio­nal zum Qua­drat sei­ner Nut­zer ent­wickelt. Den­ken Sie an Whats­app: Die App ist für uns nicht so unver­zicht­bar, weil die Tech­nik so raf­fi­niert ist, son­dern weil schlicht­weg jeder dort ist. Auch bei KAM greift die­ser „Winner-takes-it-all“-Effekt. Um von ihm zu pro­fi­tie­ren, gilt es, leben­di­ge Com­mu­ni­tys auf­zu­bau­en, in denen sich Kun­den mit ande­ren Power-Usern und den Ent­wick­lern des Anbie­ters aus­tau­schen kön­nen. Die­ser Aus­tausch mit Gleich­ge­sinn­ten bie­tet dem Kun­den einen enor­men per­sön­li­chen Mehr­wert, den kein Kon­kur­rent ein­fach durch ein alter­na­ti­ves Pro­dukt erset­zen kann.

Doch wie baut man eine sol­che Com­mu­ni­ty auf? Eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung gelingt in drei Phasen:

  1. Das rich­ti­ge Fun­da­ment: Star­ten Sie nicht mit einer rie­si­gen, anony­men Mas­se, son­dern mit einer hand­ver­le­se­nen Grup­pe von zehn bis 50 Frei­wil­li­gen. Ach­ten Sie auf die rich­ti­gen Per­sön­lich­kei­ten: Suchen Sie sich für den Start kon­takt­freu­di­ge, offe­ne und bezie­hungs­ori­en­tier­te Kun­den und Kol­le­gen – im DISG-Modell sind das gel­be und grü­ne Typen. Die­se brin­gen die nöti­ge Ener­gie und sozia­le Ori­en­tie­rung mit, um das Netz­werk orga­nisch wach­sen zu lassen.
  2. Hoch­wer­ti­ge Impul­se statt Ein­weg-Berie­se­lung: Ver­ges­sen Sie die klas­si­sche One-to-Many-Kom­mu­ni­ka­ti­on des Con­tent Mar­ke­tings. In einer ech­ten Com­mu­ni­ty herrscht ein Many-to-Many-Aus­tausch. Sor­gen Sie für exklu­si­ve Impul­se, etwa durch Best-Prac­ti­ce-Sto­rys von Usern oder Vor­ab-Ein­blicke der Ent­wick­ler. Ihre Exper­ten agie­ren dabei als Fil­ter, die das geteil­te Wis­sen vali­die­ren und so einen siche­ren Hafen im aktu­el­len Fake-News-Dschun­gel schaffen.
  3. Sei­en Sie der per­fek­te Gast­ge­ber: Der stärk­ste Kitt einer Com­mu­ni­ty ist die Qua­li­tät der Bezie­hun­gen. Agie­ren Sie als KAM wie der Gast­ge­ber einer guten Par­ty, der dafür sorgt, dass sich alle wohl­füh­len und Gäste gezielt mit­ein­an­der ver­netzt. Nut­zen Sie struk­tu­rier­te, inter­ak­ti­ve For­ma­te wie Open Space oder eine „User-Expe­ri­ence Fish­bowl“, anstatt Ihre Kun­den mit end­lo­sen Fron­tal­prä­sen­ta­tio­nen zu ermüden.

Der Auf­bau einer leben­di­gen Com­mu­ni­ty bie­tet Chan­cen, birgt jedoch auch Risi­ken. Mit stei­gen­der Grup­pen­grös­se stei­gen auch der Ein­fluss der Grup­pen­dy­na­mik und die Schwie­rig­keit, die Grup­pe effi­zi­ent zu füh­ren. Wor­auf es dabei ankommt, beschreibt der näch­ste Teil unse­rer Kolumne.

Chri­sti­an Bernhardt,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge, Kör­per­spra­chen­trai­ner, Coach, Autor.

bernhardt-trainings.com