Selbstversuch: Wie kreiere ich ein Produkt?

Mal schnell neben­bei ein neu­es Pro­dukt desi­gnen und auf den Markt brin­gen? Das ist in der Regel nicht ganz so ein­fach. Hei­di Bie­ri von Peli­kan lädt zu einer klei­nen Rei­se ein: von der Idee über die Umset­zung bis zum fer­ti­gen Schreib­ge­rät im Laden.

Die besten Ideen entstehen oft gemeinsam mit dem Team, gerade beim designen von Produkten. Abbildung: Leon, Unsplash
Die besten Ideen ent­ste­hen oft gemein­sam mit dem Team, auch beim Desi­gnen von Pro­duk­ten. Abbil­dung: Leon, Unsplash

Nun sit­ze ich also wort­wört­lich in der Tin­te mit „mei­nen Tin­ten­rol­lern“. Mein Chef hat mich gebe­ten, etwas über die Ent­ste­hung unse­rer nach­hal­ti­gen Tin­ten­rol­ler zu schrei­ben. Denn die nor­ma­len Pro­dukt-Ver­herr­li­chun­gen sei­en doch lang­wei­lig – nie­mand wol­le sie lesen. Wir möch­ten kei­ne Pro­dukt­wer­bung machen, nicht auf­zäh­len, wie toll das Pro­dukt ist, son­dern etwas Inter­es­san­tes erzäh­len … hmmm … also gut.

Die Geburt eines Produkts

Ich schrei­be Ihnen also von der Geburt mei­ner „recy­cel­ten Babys“. Ent­stan­den sind sie an heis­sen und vom Virus gepräg­ten Tagen im Juli 2020. Die Rede ist von Tin­ten­rol­lern, her­ge­stellt aus recy­cel­tem Kunst­stoff. Das Beson­de­re dar­an? Die Kap­pe und der Schaft sind zu 100 Pro­zent aus recy­cel­tem Mate­ri­al, und das Kon­zept ent­stand in der Schweiz. Die Idee dahin­ter? Den Nerv der Zeit zu tref­fen und auch in unse­rer Bran­che ein nach­hal­ti­ges Pro­dukt anzu­bie­ten. Aus­ser­dem soll­te es den häu­fig geäus­ser­ten Kun­den­wün­schen und -anfra­gen gerecht wer­den, dass ein Tin­ten­rol­ler mit Stan­dard-Tin­ten­pa­tro­nen zu befül­len sein soll­te.

Mit Nachhaltigkeit zum Verkaufserfolg

Gemäss Wiki­pe­dia ist etwas nach­hal­tig, wenn es dau­er­haft, lang­le­big, umwelt­ver­träg­lich oder auch ver­nünf­tig ist. Ver­nünf­tig kann ein nach­hal­ti­ges Pro­dukt nur dann sein, wenn es auch ver­kauft wer­den kann. Sonst ist es ein­fach nur fehl am Platz wie ein T-Bone-Steak im vega­nen Läde­li …  Wie wird es aber zu einem Ver­kaufs­er­folg?

Welche Motive gefallen, was sind die Trendfarben?

Eigent­lich ganz ein­fach, oder? Es muss der Ziel­grup­pe gefal­len, denn die Schul­kids lie­ben öko­lo­gi­sche Pro­duk­te. Es muss aber auch tren­dy sein, dann wird es „safe“ gekauft. Nun aber zurück zu die­sem vom Lock­down gepräg­ten Som­mer, wel­cher mich mit dem Virus #unbe­ding­t­her­aus­fin­den­was­die­jun­gen­su­per­fin­den infi­zier­te. Glück­li­cher­wei­se man­gel­te es schweiz­weit nicht an Kids im ziel­grup­pen­re­le­van­ten Alter, um eine Umfra­ge zu star­ten. Denn das Rei­sen war ja aus gege­be­nen Grün­den zu die­ser Zeit nicht gera­de die Frei­zeit­be­schäf­ti­gung Num­mer eins.

Die Tintenroller Pina Colada von Pelikan in vier Trendmotiven. Abbildung: Pelikan
Die Tin­ten­rol­ler Pina Cola­da von Peli­kan in vier Trend­mo­ti­ven. Abbil­dung: Peli­kan

Top-Themen: Meer und Dschungel

Rela­tiv schnell war klar, dass sich die The­men Meer und Dschun­gel durch­set­zen wür­den. Die Fra­ge nach den Far­ben wur­de spä­te­stens nach dem Besuch einer Trend­mes­se im Herbst bestä­tigt. Alles Wei­te­re ergab sich (fast) von selbst. Es benö­tig­te nur noch den gros­sen Aus­tausch mit dem gesam­ten Team: inklu­si­ve Abstim­mun­gen, dem Testen des Mate­ri­als und der Prü­fung der Qua­li­tät. Das war aber natür­lich noch längst nicht alles. Es gab noch wei­te­re Jobs zu erle­di­gen, die mit viel Arbeit ver­bun­den waren: Krea­ti­on von Ver­packung, Prä­sen­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten und und und. Die Pro­duk­ti­on in Euro­pa ver­lief kom­pli­ka­ti­ons­frei. Et voi­là: Seit März sind die recy­cel­ten Pina-Cola­da-Kids in den Läden und war­ten dar­auf, lau­fen zu ler­nen, respek­ti­ve schö­ne Zei­len zu schrei­ben. Ob sie viel­leicht sogar nach­hal­ti­ge Geschwi­ster bekom­men? Zu wün­schen wäre es …

Hei­di Bie­ri,

Mar­ke­ting und Gestal­tung,

Peli­kan (Schweiz) AG.