„Hannes managt“. Eine Business-Satire #5/7

„Han­nes managt“ ist eine Geschich­ten­se­rie mit fein­sin­ni­ger Sati­re aus den und über die Manage­ment­eta­gen. Im fünf­ten Teil beschreibt Ste­fan Häse­li, wie Work­shops die ver­bor­ge­nen Talen­te der Mit­ar­bei­ter wecken sol­len.

Im Workshop die Meinungen visualisieren: Post-its sind das Mittel der Wahl. Abbildung: Jo Szczepanska, Unsplash
Im Work­shop die Mei­nun­gen visua­li­sie­ren: Post-its sind das Mit­tel der Wahl. Abbil­dung: Jo Szc­ze­pans­ka, Unsplash

Die neu­en Bench­mark-Zah­len des anspruchs­vol­len B2B-Markts, in dem Han­nes’ Unter­neh­men tätig ist, sind ver­öf­fent­licht. Die Zah­len wer­den vom CEO in der Wich­tig­keit nur eine Haa­res­brei­te hin­ter dem Gewinn ein­ge­ord­net. „Wir wer­den im kom­men­den Jahr den Bench­mark anfüh­ren“, ist längst zum Man­tra gewor­den – seit fünf Jah­ren schon.

Jahr für Jahr setzt man sich nach der Bekannt­ga­be der Zah­len zusam­men, klopft zuver­sicht­lich-flot­te Sprü­che, macht die noch schö­ne­ren Power­points für die Mit­ar­bei­ter­prä­sen­ta­ti­on und hängt noch edle­re Papier­pla­ka­te in die Flu­re mit dem Ziel „We are the Bench­mark ONE“.

Neue Zahlen – neue Massnahmen

Die neu­sten Zah­len sind ver­gan­ge­ne Woche auf der Geschäfts­lei­tungs­sit­zung vor­ge­stellt wor­den. Die Anzahl der Sor­gen­fal­ten des CEOs nah­men line­ar zur Laut­stär­ke und Vehe­menz sei­nes als Cre­do vor­ge­tra­ge­nen Aus­bruchs zu, dass oben nur Platz für uns ist. Denn statt end­lich in die vor­de­re Hälf­te vor­zu­stos­sen, bleibt man nun ein wei­te­res Mal wie­der unter dem Strich. Das Ziel, die Eins zu wer­den, läuft Gefahr zu ent­schwin­den. Also gibt’s jetzt eine Sofort­mass­nah­me: Alle Mit­ar­bei­ter müs­sen in den Work­shop „ONE4Benchmark“. Han­nes ist als Pro­duk­ti­ons­lei­ter bereits im ersten dabei.

Workshop mit einer Koryphäe

Han­nes nimmt im Ple­num Platz. Das Halb­rund ohne Tische soll nicht nur die neue Dis­kus­si­ons­kul­tur för­dern, son­dern auch sym­bo­lisch erleb­bar machen, dass man sich kom­plett um die Anlie­gen des Kun­den küm­mert und der Kun­de den Ser­vice als abge­run­det erlebt. Round-about-the-cli­ent prä­zi­siert dies der eigens dafür ein­ge­flo­ge­ne Coach. Zwar hat vom Coach zuvor noch nie­mand etwas gehört, er sei aber eine Kory­phäe, meint der Chef. „Nun, man kann ja nicht alles wis­sen, es wird schon stim­men,“ denkt sich Han­nes. Der Coach holt zur Eröff­nungs­an­spra­che aus: „Wir sind heu­te eine Real-Com­mu­ni­ty, die sich um den Bench­mark im Busi­ness-to-Busi­ness-Mar­ket küm­mert. Ja, es geht ums Gro­be, ans Ein­ge­mach­te, und wir soll­ten die Kom­fort­zo­ne ver­las­sen.“

Die Grup­pe wird zur Vor­stel­lungs­run­de ein­ge­la­den. Die Teil­neh­mer ken­nen sich zwar. Für den Coach bedeu­tet das aber immer­hin, sich 30 Minu­ten weni­ger vor­zu­be­rei­ten und für die Teil­neh­men­den 30 Minu­ten weni­ger zu arbei­ten. Der Coach for­dert alle auf, die­ses Check-in im Stil von „Who, why and whe­re“ zu betrach­ten, die Stich­wor­te auf eine Kar­te zu schrei­ben und die­se dann an der Pinn­wand auf­zu­hän­gen. Man soll dabei auch ein kla­res Com­mit­ment zu einem Ziel abge­ben. Kur­ze Indi­vi­du­al-Time zum Vor­be­rei­ten, dann folgt ein Pitch jedes Teil­neh­mers. Abge­schlos­sen wird jedes Mal mit den Wor­ten „Check-in – rea­dy to go“.

Auf zu neuen Workshop-Welten

Han­nes ist die­se Welt zwar etwas fremd, aber wenn’s gut für die Kun­den­zu­frie­den­heit ist, soll es auch gut für die Lau­ne des Chefs sein. Und das macht dann alles ande­re auch ange­neh­mer. Im Work­shop geht es wei­ter. Mit einem Input lan­ciert der braun­ge­brann­te Coach vom Typ „Tri­ath­let-und-braucht-nur-4-Stun­den-Schlaf“ eine erste soge­nann­te Smart-learn-Round. „So, jetzt scannt die Grup­pen-Mem­bers und sucht einen Part­ner zum Exchan­ge-of-Expe­ri­ence. Bit­te berei­tet in einem Time-Boxing einen wei­te­ren Ele­va­tor-Pitch vor, wo ihr das Mind-Set­ting für die anschlies­sen­de Feed­back-Run­de ela­bo­riert.“

Han­nes hängt mit sei­nen Grup­pen­kol­le­gen etwas im luft­lee­ren Raum. Das alles ist ihm doch etwas gar viel der war­men Luft, aber sie schrei­ben in ihrem Grup­pen­zim­mer drei Pinn­wand-Kar­ten: „love-it, chan­ge-it, lea­ve-it“. Han­nes meint, das hät­te er vor 20 Jah­ren schon mal gehört und das könn­te doch immer noch pas­sen. Die Grup­pen­kol­le­gen sind ein­ver­stan­den. Der Coach wür­digt die Prä­sen­ta­ti­on mit dem Aus­ruf: „Wow – grea­test – ihr seid ech­te Champs. Das sind die wah­ren Key­words für einen Ama­zing-Folk im Cli­ent-Pro­to­ty­pe-Space. Ja, good enough, life is a pitch, da bin ich glatt on fire.”

Sprachverständigung ist ein Muss

So ver­läuft der Tag ani­miert und nach der Ein­ge­wöh­nung ver­traut. Irgend­wann erschien dann auch die längst bekann­te Folie mit der Hum­mel, deren Flü­gel zu gross sind, um flie­gen zu kön­nen. Aber weil sie es nicht weiss, fliegt sie trotz­dem. Schliess­lich lei­tet der Coach die Schluss­run­de ein. Jeder soll einen letz­ten Pitch mit den Trans­fer-Fiel­ds per­for­men und sein State­ment mit den Wor­ten „Check-out“ abschlies­sen. Nach zwölf „Check-outs“ erklärt der Coach, dass sie eine super-cra­zy-tol­le Grup­pe waren. Anschlies­send geht Han­nes zurück ins Büro. Bevor er sei­ne Mails checkt, bucht er noch rasch einen Eng­lisch­kurs in der Volks­hoch­schu­le an sei­nem Wohn­ort – sonst wird das nie etwas mit der Kun­den­zu­frie­den­heit.

Ste­fan Häse­li,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te, Spea­ker, Coach und Autor.

stefan-haeseli.com

 

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