„Hannes managt“. Eine Business-Satire #7/7

„Han­nes managt“ ist eine Geschich­ten­se­rie mit fein­sin­ni­ger Sati­re aus den und über die Manage­ment­eta­gen. Im sieb­ten Teil beschreibt Autor Ste­fan Häse­li, auf wel­chen Wegen in Unter­neh­men am effi­zi­en­te­sten kom­mu­ni­ziert wird.

Die informelle Kommunikation ist oft die effizienteste. Abbildung: Helena Lopes, Unsplash
Die infor­mel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on ist oft die effi­zi­en­te­ste. Abbil­dung: Hele­na Lopes, Unsplash

In Han­nes’ Unter­neh­men wur­de ein Feld­test gemacht. Ganz gezielt woll­te man aus­lo­ten, wie die infor­mel­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le ver­lau­fen. Immer wie­der kam es näm­lich vor, dass Intra­net-Bei­trä­ge nicht gele­sen und inter­ne Wei­sun­gen ver­ges­sen wur­den. Das gute alte Anschlag­brett wird sowie­so nur noch für pri­va­te Ver­kaufs­zwecke genutzt. Neben dem Rasen­mä­her, der zwecks „Nicht-mehr-im-Gebrauch“ gün­stig abzu­ge­ben ist, wer­den Kin­der­be­treu­ungs­dien­ste nach­ge­fragt, da das Unter­neh­men immer wie­der kurz­fri­stig auf Teil­zeit-Mit­ar­bei­ten­de mit Klein­kin­dern zurück­greift.

Wege der internen Kommunikation

Der Ver­such wur­de so ange­legt, dass auf ver­schie­de­nen Kanä­len eine Infor­ma­ti­on gestreut und danach erfasst wur­de, wo die Infor­ma­ti­on am schnell­sten und effi­zi­en­te­sten in die Brei­te ging. Das Pro­blem war höch­stens, dass der Inhalt der Nach­richt zu wenig durch­dacht war. „Der Chef hei­ra­tet, aber man weiss noch nicht wen“ wur­de gestreut. Kur­zer­hand haben die inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge der Aus­sa­ge die mut­mass­li­che Braut dazu gedich­tet. Da der Chef eini­ge Male mit der neu­en Mar­ke­ting­lei­te­rin auf Dienst­rei­sen war, lag es auf der Hand, die­se im Grun­de nicht vor­han­de­ne Bezie­hungs­li­nie zu zeich­nen, zu festi­gen und wei­ter zu ver­brei­ten.

Das inhalt­li­che Nach­spiel ist noch nicht aus­ge­stan­den, aber für Han­nes war es ja nur ein Feld­test. Die gross­an­ge­leg­te Ana­ly­se mit Säu­len, Power­Point und ande­ren Gim­micks soll nun auf­zei­gen, wie künf­tig noch geziel­ter inter­ne und auch wich­ti­ge­re Infor­ma­tio­nen als die der Hei­rat ver­brei­tet wer­den kön­nen.

Es gibt einen klaren Sieger

Zum Ergeb­nis: Ein­deu­tig auf Rang eins liegt die Rau­cher­ecke. Hier war auch die Men­ge der gestreu­ten Infor­ma­tio­nen am gröss­ten. Denn nicht nur wur­de zusätz­lich zur Braut bereits ein Datum des Festes erfun­den, son­dern auch gleich eine bereits ver­mu­te­te Schwan­ger­schaft inklu­diert. Dass die Flit­ter­wo­chen nach Indo­ne­si­en gehen, wird unter­des­sen nicht mehr in Zwei­fel gezo­gen. Obwohl nota­be­ne gar nichts davon stimmt.

Fazit: Wenn Infor­ma­tio­nen den Weg zum Emp­fän­ger fin­den, dann erfolgt das in der Rau­cher­ecke. Hier wer­den, so zeigt die Aus­wer­tung, auch Stel­len ver­ge­ben. Und ja, der Chef und die Mar­ke­ting­lei­te­rin sind Rau­chen­de – auch das eine wah­re Tat­sa­che.

Anders inter­pre­tiert: Wer nicht raucht, exi­stiert im Infor­ma­ti­ons­ka­nal nicht. Was für Jugend­li­che Insta­gram ist, ist für Mit­ar­bei­ten­de die Smo­ke-Cor­ner. Auch wenn sie draus­sen unge­schützt und mit nicht lackier­ten Holz­bän­ken vor sich hin müf­felt. Bereits wer­den Stim­men laut, die­se „Zel­le des infor­mel­len Aus­tauschs“ ganz zu ver­bie­ten oder noch unat­trak­ti­ver zu machen. Weni­ger Platz und mehr Enge wäre ein Ansatz. Sie könn­te an eine viel befah­re­ne Stras­se ver­legt wer­den. Das wür­de die Unat­trak­ti­vi­tät wei­ter ver­stär­ken.

Han­nes schlägt als alt­ge­dien­ter Prak­ti­ker dem Geschäfts­lei­tungs­gre­mi­um eine ande­re Vari­an­te vor. Er wünscht sich, dass alle rau­chen. Um nicht mit den Gesund­heits­ver­ant­wort­li­chen des Unter­neh­mens in Kon­flikt zu gera­ten und auch nicht als Unter­neh­men dazu­ste­hen, das gezielt „Un-Gesund­heit“ för­dert, wird das Pro­blem – ein­mal mehr – tech­nisch gelöst.

Alle werden zum nicht rauchenden Raucher

Es gibt neu eine Art „E-Ziga­ret­te ohne Inhalt“. Sie sieht gleich aus wie die ande­ren, die seit Neu­stem en vogue sind. Die neue Art dampft nur nach aus­sen und ist mit einem klei­nen Heiz­ge­rät aus­ge­rü­stet. Was­ser ein­fül­len, Hei­zung an, dann ist die Sache in fünf Minu­ten ver­dampft. Das sieht aus wie echt, die Men­schen kön­nen sich zu den Rau­chern stel­len, ohne rau­chen zu müs­sen und erfah­ren schlicht­weg alles.

Das Ange­bot die­ser neu­en E-Ziga­ret­ten gilt nur 48 Stun­den, aber Han­nes ist über­zeugt: Wenn man es in den rich­ti­gen Kanal stellt, ist die Ware in Kür­ze weg.

Ste­fan Häse­li,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te, Spea­ker, Coach und Autor.

stefan-haeseli.com

 

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