„Hannes managt“. Eine Business-Satire #1/7

„Han­nes managt“ ist eine Geschich­ten­se­rie mit fein­sin­ni­ger Sati­re aus den und über die Manage­ment­eta­gen. Im ersten Teil der Rei­he beschreibt Autor Ste­fan Häse­li, wie Schutz­mass­nah­men wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie im Büro inno­va­tiv daher­kom­men wol­len.

Auch bei den Corona-Massnahmen ist Innovation gefragt. Wichtig ist, das Ziel im Auge zu behalten. Abbildung: Cottonbro/Pexels
Auch bei den Coro­na-Mass­nah­men ist Inno­va­ti­on gefragt. Wich­tig ist, das Ziel im Auge zu behal­ten. Abbil­dung: Cottonbro/Pexels

In Han­nes Unter­neh­men ver­sucht man, einen so genann­ten Nach-Covid-Nor­mal­zu­stand wie­der­her­zu­stel­len. Die Men­schen tau­chen wie­der aus mona­te­lan­ger Home­of­fice-Zeit auf und sind an den Arbeits­plät­zen in den ver­wai­sten Büro­räum­lich­kei­ten zurück. Man sieht, dass von den Män­nern jetzt eini­ge Bart­trä­ger sind, wer an kör­per­li­cher Mas­se in Erman­ge­lung des Geh­wegs zum Büro zuge­nom­men hat und wer den salop­pen Cam­per-Look aus den Heim­ar­beits­mo­na­ten auch wei­ter durch­zieht, weil er meint, dass das ver­bleich­te, vier Tage getra­ge­ne Fla­nell­hemd und Schlab­ber­fin­ken ja eigent­lich der Pro­duk­ti­ons­ef­fi­zi­enz gar nicht abträg­lich waren – folg­lich kön­ne die­ser Stil auch in den Büro­ge­bäu­den ange­wandt wer­den.

Da spürt man zudem, wo sich neue, gehei­me Seil­schaf­ten gebil­det haben. Irgend­wie wird jetzt offen­sicht­lich, wer sich jen­seits von Wei­sun­gen halt trotz­dem hie und da im Büro getrof­fen hat und dafür gesorgt hat, dass im Split­ting-Office wäh­rend der letz­ten Über­gangs­pha­se sich „rein zufäl­lig“ immer die glei­chen Leu­te tra­fen. Zeu­gen davon sind die her­um­lie­gen­den Menü­kar­ten des Piz­za­ser­vices.

Neuanfang nach der Krise

Nun, die­se Zeit ist vor­bei. Jetzt geht es dar­um, die Neu­zeit zu beschrei­ben. Han­nes ist beauf­tragt, hier ein wei­te­res Kon­zept zum ursprüng­lich rein sach­lich aus­ge­rich­te­ten Mass­nah­men­ka­ta­log aus­zu­ar­bei­ten. Das Kon­zept soll beschrei­ben, mit wel­chen Schrit­ten zu den bereits vor­han­de­nen Sicher­heits- und Hygie­ne­mass­nah­men dem poten­zi­el­len Virus­ein­tritt begeg­net wer­den soll. Dazu sind auch die Ziel­set­zun­gen nicht zu ver­ach­ten, dass es bei sol­chen Kon­zep­ten dar­um geht, zu zei­gen, dass man hoch­pro­fes­sio­nell vor­geht und kein Detail aus­lässt. Ja, wer ins Unter­neh­men kommt, soll spü­ren, dass tage­lan­ge Denk­ar­beit hin­ter jeder ein­zel­nen Mass­nah­me steht. „Covid-Schutz­mass­nah­men sind auch Mar­ke­ting-Mas­sah­men“, fliegt es Han­nes durch den Kopf, als er beginnt, an den Details zu fei­len.

Der Abstand ist entscheidend

Schüt­zen ist ja gut und recht, aber als Macher daste­hen ist noch bes­ser! Unter die­ser Prä­mis­se geht es in die Details. Akri­bisch wer­den über­all, wo es mög­lich ist, soge­nann­te 1,5-Meter-Marken sicht­bar gemacht. 1,5 Meter ist für die sich begeg­nen­den Men­schen das, was für einen Fuss­bal­ler die berühm­ten elf Meter sind. Es ist der Abstand, der zum alles ent­schei­den­den Mass­stab für „wir gewin­nen“ avan­ciert. So ist klar, dass Stüh­le in Sit­zungs­zim­mern und Betriebs­kan­ti­nen danach aus­ge­rich­tet wer­den. Die 1,5 Meter wer­den sicht­bar am Boden signa­li­siert. Unauf­dring­li­che Pene­tranz ist der Glau­bens­satz. Man soll sehen, dass man sich Mühe gege­ben und exakt aus­ge­mes­sen hat. Auch der Flat­s­creen-Bild­schirm im Emp­fangs­be­reich, der just 1,5 Meter breit ist, wird beschrie­ben: „Wir sen­den mit 1,5-Meter Brei­te“.

In Mee­tin­g­räu­men, in denen exter­ne Refe­ren­ten auf­tre­ten, wer­den Bewe­gungs­räu­me mar­kiert. Heisst im Klar­text: Ein inter­ner Refe­rent darf sich frei bewe­gen, muss ein­fach die 1,5 Meter Abstand ein­hal­ten. Ein Exter­ner ist ja ein poten­zi­el­ler Viren­trä­ger. Da muss man schon vor­sich­tig sein. So hat Han­nes schön design­te Boden­kle­ber mit Logos beschafft, die Fel­der mar­kie­ren, wo sich Bera­ter der Con­sul­ting-Fir­ma oder Ver­tre­ter eines Lie­fe­ran­ten auf­hal­ten dür­fen. So hat man es ja auf jeden Fall bes­ser im Griff, und da darf es auch etwas mehr als 1,5 Meter Abstand sein.

Visionäre Massnahmen

Als abso­lu­te Tech-Inno­va­ti­on sind die Rau­cher ver­pflich­tet, eine App auf ihr Smart­pho­ne her­un­ter­zu­la­den. Die­ses nimmt per Blue­tooth sofort Kon­takt auf, wenn man sich in die Rau­cher­ecke im Hin­ter­hof begibt. Selbst­ver­ständ­lich wer­den kei­ner­lei Daten gespei­chert, hat sich Han­nes vom pro­gram­mie­ren­den Rus­sen in der IT-Abtei­lung ver­si­chern las­sen. Es geht um Fol­gen­des: Wer nach dem Rau­cher­akt das Betriebs­ge­bäu­de wie­der betritt, wird unmit­tel­bar über die App auf­ge­for­dert, in sein Smart­pho­ne zu husten. Die App erkennt, ob das ein klas­si­scher Rau­cher­hu­sten ist oder ob bereits ein Covid-Alarm im gan­zen Kon­zern aus­ge­ru­fen wer­den soll.

Leicht verbesserungswürdig

Han­nes ist sicht­lich stolz, als Ideen­ge­ber die­ser visio­nä­ren Mass­nah­me zu gel­ten. Dass mit der Umset­zung noch nicht alles klappt und auch mal ein etwas laut vor­ge­tra­ge­nes „Guten Mor­gen lie­be Kol­le­gen“ als „Lau­tes-Husten-aber-nicht-Rau­cher­hu­sten“ im Schnitt zwi­schen fünf und sechs Fehl­alar­me pro Tag aus­löst, sind Kin­der­krank­hei­ten, die ja jeder digi­ta­len Neue­rung wäh­rend den ersten Mona­ten zuge­stan­den wer­den muss.

Was aber ent­schei­dend ist: Medi­en berich­ten, Fach­zeit­schrif­ten ana­ly­sie­ren und inter­view­en Han­nes. Das gibt Klicks bei den Medi­en und Auf­merk­sam­keit für Han­nes’ Unter­neh­men. Ja, Mar­ke­ting ist nicht alles, aber ohne Mar­ke­ting ist alles nichts. Auch Covid ist, so ist Han­nes über­zeugt, eine Chan­ce, sich über Inno­va­ti­on am Markt zu posi­tio­nie­ren. Wenn man es auch mit dem eigent­li­chen Pro­dukt nicht mehr schafft, so doch über frem­de Ideen – schliess­lich war auch Alex­an­der Gra­ham Bell eigent­lich Gehör­lo­sen­leh­rer und aus­ge­rech­net er hat schluss­end­lich das Tele­fon erfun­den …

Ste­fan Häse­li,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te, Spea­ker, Coach und Autor.

stefan-haeseli.com

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