Kommunikation muss glaubwürdig sein

In unsi­che­ren Zei­ten sehnt sich der Mensch nach Sicher­heit und Halt. Er braucht Bezie­hun­gen, auf die er ver­trau­en und auf denen er auf­bau­en kann. Wie kann glaub­wür­di­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on dazu bei­tra­gen, dass sich die Men­schen sicher füh­len? Die Ant­wort dar­auf kennt der Trai­ner, Spea­ker und Autor Ste­fan Häseli.

Glaubwürdige Kommunikation ist sowohl im beruflichen als auch im privaten Alltag wichtig. Abbildung: AdobeStock
Glaub­wür­di­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on ist sowohl im beruf­li­chen als auch im pri­va­ten All­tag wich­tig. Abbil­dung: AdobeStock

Las­sen Sie uns nicht wie­der vom Zeit­al­ter der Fake-News reden. Trotz­dem ist das The­ma Glaub­wür­dig­keit gera­de in den aktu­el­len und anspruchs­vol­len Zei­ten beson­ders prä­sent. Poli­ti­ker reden uns ein, dass es schlim­mer denn je kommt. Ande­re mei­nen, dass alles nur auf­ge­bauscht wird. Wei­te­re ver­spre­chen uns, dass sie das Pro­blem lösen wer­den, es dann aber doch nicht tun. Und in der Wirt­schaft reden Mana­ger in ihren State­ments alles so lan­ge schön, bis wir kaum noch wis­sen, was sie eigent­lich mei­nen. Kürz­lich habe ich bei der Über­nah­me eines Unter­neh­mens die­sen Satz auf­ge­schnappt: „Wir nut­zen Syn­er­gien und es kostet kei­ne Arbeits­plät­ze“, hiess es da voll­mun­dig. Drei Mona­te spä­ter wur­de dann doch zum Kahl­schlag aus­ge­holt, mit den Wor­ten: „Der Markt hat sich doch anders ent­wickelt als erwar­tet.“ Als ob das die ver­meint­li­chen Exper­ten nicht hät­ten kom­men sehen kön­nen. Zumin­dest ent­steht der Ein­druck, dass hier etwas bewusst ver­tuscht wur­de – ein näch­stes Mal wer­den die Men­schen die­sem Manage­ment wohl eher nicht mehr glauben.

Wirksamkeit der Worte

Glaub­wür­dig­keit und Ver­trau­en lie­gen nahe bei­sam­men. Wer Ver­trau­en auf­bau­en möch­te, muss glaub­wür­dig wir­ken. Und weil Wir­kung zu einem gros­sen Teil eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dis­zi­plin ist, sei fest­ge­hal­ten: Wer Ver­trau­en gewin­nen, behal­ten, auf­bau­en möch­te, muss glaub­wür­dig kom­mu­ni­zie­ren. Die Wirk­sam­keit der Wor­te steht und fällt mit deren Glaub­wür­dig­keit. Die Sache ist aller­dings mehr als nur ein rhe­to­ri­sches Stil­mit­tel. Denn solan­ge wir davon aus­ge­hen, dass Spra­che und Stim­me nur das Trans­port­mit­tel von Inhal­ten zwi­schen Sen­der und Emp­fän­ger sind, kann man es wohl auch bei der rich­ti­gen Wort­wahl bewen­den lassen.

Doch Wor­te, Stim­me und vor allem die Kör­per­spra­che sind mehr als nur Medi­um. Sie sind im Grun­de das Sicht­bar­ma­chen von Hal­tung und Gedan­ke des Emp­fän­gers. Das macht die Enco­die­rung beim Emp­fän­ger so anspruchs­voll. Denn wenn es rei­ne Wort­in­ter­pre­ta­tio­nen wären, wäre das Pro­ze­de­re noch halb­wegs ein­fach. Zumin­dest auf den ersten Blick.

Glaubwürdigkeit ist als elementarer Teil der Wirksamkeit von Kommunikation anzuschauen. Abbildung: AdobeStock
Glaub­wür­dig­keit ist als ele­men­ta­rer Teil der Wirk­sam­keit von Kom­mu­ni­ka­ti­on zu sehen. Abbil­dung: AdobeStock

Stolpersteine und Missverständnisse

Bei nähe­rer Betrach­tung wird die Her­aus­for­de­rung deut­lich: Was hat der Sen­der bei­spiels­wei­se beim Wort „Dra­che“ gemeint? Ein Spiel­zeug? Ein Tier? Die Nach­ba­rin? Oder doch die Schwie­ger­mut­ter? Die Unklar­hei­ten neh­men ihren Lauf … Es spielt eben mehr hin­ein in die Deu­tung von Wor­ten. Was steckt dahin­ter? Was ist tat­säch­lich gemeint? Das zu ent­schlüs­seln, ist nicht nur noch wesent­lich anspruchs­vol­ler, son­dern birgt eine Unmen­ge von Stol­per­stei­nen in Form von Missverständnissen.

Die logi­sche Kon­se­quenz dar­aus: Glaub­wür­dig­keit ist als ele­men­ta­rer Teil der Wirk­sam­keit anzu­schau­en. Die Glaub­wür­dig­keit ist der Beleg dafür, dass der Emp­fän­ger jene Bot­schaft, die der Absen­der sowohl ver­bal als auch non­ver­bal arti­ku­liert hat und aus­sen­det, als rich­tig oder gül­tig aner­kennt. „Des Glau­bens wür­dig zu sein“ heisst also, die Erwar­tung an die Rich­tig­keit zu erfüllen.

Alles beginnt mit Selbstvertrauen

Der Auf­bau von Ver­trau­en ist per se ein­mal eine inne­re Hal­tung in das eige­ne Selbst – Stich­wort Selbst­ver­trau­en. Ohne Ver­trau­en in sich selbst wird es kaum mög­lich sein, Ver­trau­en in ande­re zu gewin­nen. Im Zusam­men­hang mit der Kom­mu­ni­ka­ti­on bedeu­tet das: Ein inne­res Ver­trau­en in sich selbst lässt einen Men­schen offe­ner und siche­rer wir­ken. Auch in anspruchs­vol­len Gesprächs­si­tua­tio­nen ist die Wir­kung, die auf einem gefe­stig­ten Selbst­ver­trau­en basiert, authen­ti­scher und ruhi­ger. Das wie­der­um zahlt auf die ver­trau­ens­ge­win­nen­de Wir­kung ein. Wer wirk­lich sel­ber glaubt, was er sagt – und wenn das Gesag­te auch tat­säch­lich dem ent­spricht, was man selbst ver­in­ner­licht hat –, der kann auch eine Wir­kung erzie­len, die aus dem eige­nen Ich ent­springt und damit eben rund­um glaub­wür­dig ist.

Stefan Häseli

Ste­fan Häseli,

Trai­ner, Autor. Speaker,

Ate­lier Coa­ching & Trai­ning AG.

stefan-haeseli.com

 

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