Die Zukunft der Büroarbeit: Ein Blick zurück kann hilfreich sein

Wie sich die Arbeits­welt ent­wickeln wird, lässt sich nicht prä­zi­se vor­her­sa­gen. Aber es gibt Metho­den, um am Puls der Zeit zu sein und kom­men­de Trends bereits heu­te abzu­bil­den. Der Schwei­zer Orga­ni­sa­ti­ons­be­ra­ter Mar­tin A. Fuchs beschreibt, wie sich aus Ver­gan­ge­nem das Zukünf­ti­ge ablei­ten lässt.

Die Gestaltung von Arbeitsplätzen unterliegt einem steten Wandel und bildet im Idealfall aktuelle Trends ab. Abbildung: Slidebean, Unsplash
Die Gestal­tung von Arbeits­plät­zen unter­liegt einem ste­ten Wan­del und bil­det im Ide­al­fall aktu­el­le Trends ab. Abbil­dung: Sli­de­be­an, Unsplash

Als Fuchs tu’ ich mich natur­be­dingt schwer mit den „alten Hasen“. Aber genau da gehö­re ich hin: zu den alten Hasen der Gestal­ter von Büro­ar­beits­wel­ten. Als sol­cher ist man zwangs­läu­fig min­de­stens als Beob­ach­ter, mehr aber noch als stän­dig Ler­nen­der invol­viert gewe­sen in all die Ent­wick­lun­gen von Möbeln und Mobi­li­ar­sy­ste­men. Wur­de mit­ge­tra­gen und hin und wie­der auch mal mit­ge­schwemmt von all die­sen tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen und Errun­gen­schaf­ten, die uns in den letz­ten vier Deka­den in rasan­ter Geschwin­dig­keit den Büro­all­tag erleich­tert – ja, auch erleich­tert – haben. Als expo­nen­ti­ell könn­te man den büro­tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt der letz­ten drei bis vier Jahr­zehn­te bezeich­nen, doch expo­nen­ti­ell ist der­zeit kein beson­ders wert­frei­er Begriff.

In die Vergangenheit schauen hilft, …

In all die­sen Jah­ren hat eine gewis­se Über­for­de­rung sehr häu­fig unse­ren Arbeits­all­tag, ich will nicht sagen geprägt, aber doch min­de­stens beglei­tet. Büro­ar­beits­welt­ge­stal­tung, das war nie eine ein­fa­che oder ver­ein­fa­chen­de, mög­lichst geschickt getrof­fe­ne Anein­an­der­rei­hung von Arbeits­plät­zen aus einem vor­ge­ge­be­nen Her­stel­ler­sor­ti­ment in einem vor­ge­ge­be­nen Raum. Ein­fach erschien uns das nur damals, in jener Prä-Auto­CAD-Zeit oder Prä-pCon.planner-Zeit, als fort­schritt­li­che Her­stel­ler uns Zei­chen­scha­blo­nen oder magne­tisch haf­ten­de Möbel­sym­bo­le zu Pla­nungs­zwecken zur Ver­fü­gung stellten.

Und dann kamen Auto­CAD und pCon. Mit ihren wun­der­ba­ren Pla­nungs­werk­zeu­gen kam eine ganz neu­ar­ti­ge Her­aus­for­de­rung in unse­ren Berufs­all­tag: Die Zahl der schein­bar Pla­nungs­be­fä­hig­ten ver­mehr­te sich rasant. Ste­tig schlei­chend wur­de Büro­ar­beits­welt­ge­stal­tung zum rein tech­nisch-repro­du­zie­ren­den Pla­nungs­pro­zess mit teil­wei­se gera­de­zu tay­lo­ri­sti­schen Aus­prä­gun­gen: leid­lich getra­gen von Stun­den­an­sät­zen, wel­che die Bezeich­nung Hono­rar nicht mehr verdienten.

 … um die Gegenwart zu bewerten und…

Dabei ist Büro­ar­beits­welt­ge­stal­tung eine vie­le Dis­zi­pli­nen umspan­nen­de, auf breit abge­stütz­ter Exper­ti­se beru­hen­de gene­ra­li­sti­sche und her­aus­for­dern­de Mode­ra­ti­ons­ar­beit, deren ein­zel­ne Auf­ga­ben am aller­be­sten im inter­dis­zi­pli­när und inter­or­ga­ni­sa­tio­nal zusam­men­ge­setz­ten Team bewäl­tigt wer­den kön­nen. In hohem Mas­se krea­ti­ve Auf­ga­ben wech­seln sich ab mit teil- und zeit­wei­se sehr trocke­ner Kno­chen­ar­beit. Und stets – ich bin ver­sucht zu sagen, aus­schliess­lich – steht der Mensch im Mit­tel­punkt. Bei­spiels­wei­se als han­deln­der Betrei­ber oder als betrof­fe­ner Nut­zer oder als mode­rie­ren­der und moti­vie­ren­der Füh­rungs­ver­ant­wort­li­cher oder als jener, der am Schluss die Rech­nung bezahlt.

Die wichtigsten Bestandteile eines Office-Arbeitsplatzes sind immer noch Tisch, Stuhl und Leuchte. Abbildung: Laura Davidson, Unsplash
Die wich­tig­sten Bestand­tei­le eines Office-Arbeits­plat­zes sind immer noch Tisch, Stuhl und Leuch­te. Abbil­dung: Lau­ra David­son, Unsplash

Zwi­schen­drin – inmit­ten aller Ansprü­che eines Unter­neh­mens, ein­ge­bet­tet (um nicht zu sagen, ein­ge­zwängt) in gesetz­li­che Regu­la­ri­en als zwin­gend wahr­nehm­ba­re Emp­feh­lun­gen, die Anten­nen immer auch in Rich­tung for­schen­de Insti­tu­tio­nen und deren Publi­ka­tio­nen aus­ge­rich­tet und dau­ernd auch ein biss­chen hofiert von Her­stel­lern unter­schied­lich­ster Inno­va­ti­ons­kraft – steht jener, des­sen unge­schütz­te Berufs­be­zeich­nung „Gestal­ter von Büro­ar­beits­wel­ten“ lau­ten mag, und ver­sucht, sei­nen eige­nen Her­aus­for­de­run­gen so zeit­nah wie mög­lich Herr zu wer­den. Zu den gröss­ten Her­aus­for­de­run­gen gehört es viel­leicht, schlüs­si­ge Begriff­lich­kei­ten in den eige­nen Fach­jar­gon ein­zu­ord­nen und dem­ge­gen­über begriff­li­che Hypes und Mode­strö­mun­gen aus­sor­tie­ren zu können.

… um die Zukunft einschätzen zu können.

Wer sich Vor­stel­lun­gen über die Zukunft der Büro­ar­beits­welt­ge­stal­tung machen will, der muss zunächst deren Ver­gan­gen­heit ken­nen und ver­ste­hen, wenig­stens ein biss­chen. Stimmt das noch? Hand aufs Herz, erin­nern Sie sich noch dar­an, wie es vor Coro­na war in Ihrem Büro? War es ein Gross­raum­bü­ro, etwas zu laut und mit sticki­ger Luft, die Beleuch­tung ging so? Aber halt doch irgend­wie gemüt­lich? Und da möch­ten Sie jetzt wie­der hin, so schnell wie’s geht? Nein, nur ab und zu mal. Die Leu­te wie­der tref­fen, Kaf­fee trin­ken und reden – auch über die Arbeit natür­lich. Dar­aus lässt sich für die Zukunft die­ser Merk­satz for­mu­lie­ren: Die Mit­ar­bei­ten­den kom­men künf­tig nicht mehr ins Unter­neh­men, um dort an einem Rück­zugs­ar­beits­platz zu sit­zen, son­dern um sozia­le Kon­tak­te zu pfle­gen, Arbei­ten im Team zu erle­di­gen und um sich mit ande­ren abzustimmen.

Wie wir in Zukunft arbeiten werden, ist nicht exakt vorherzusagen. Die Vergangenheit zu analysieren, kann helfen. Abbildung: LinkedIn Sales Solutions, Unsplash
Wie wir in Zukunft arbei­ten wer­den, ist nicht exakt vor­her­zu­sa­gen. Die Ver­gan­gen­heit zu ana­ly­sie­ren kann hel­fen. Abbil­dung: Lin­kedIn Sales Solu­ti­ons, Unsplash

Worum es in Zukunft geht

Unter­neh­men, wel­che ihren Mit­ar­bei­ten­den unter­schied­li­che ört­li­che und zeit­li­che Arbeits­mo­del­le ermög­li­chen, kön­nen ihre eige­ne Attrak­ti­vi­tät deut­lich erhö­hen. Die Fra­ge, wie inten­siv die Büro­flä­chen im Unter­neh­men (Busi­ness-Office) genutzt wer­den, ori­en­tiert sich mehr denn je dar­an, wie viel­fäl­tig und attrak­tiv die­se gestal­tet sind, wie ein­fach und fle­xi­bel deren Nut­zung ist, wie zuver­läs­sig und ein­fach bedien­bar die all­ge­gen­wär­ti­ge Tech­nik in guter Qua­li­tät nutz­bar ist und – vor allem – wie die Mit­ar­bei­ten­den ihr Bedürf­nis nach sozia­len Kon­tak­ten befrie­di­gen kön­nen. Arbeits­plät­ze in städ­ti­schen Gebie­ten gewin­nen zwei­fel­los noch zusätz­lich an Attrak­ti­vi­tät, wenn Ser­vices des täg­li­chen Bedarfs (etwa Wäsche­ser­vice) bzw. Dienst­lei­stun­gen des moder­nen Lebens (etwa Fit­ness­cen­ter) ange­bo­ten wer­den können.

Die Ent­wick­lun­gen in der Arbeits­welt­ge­stal­tung blei­ben span­nend und her­aus­for­dernd. Eine zen­tra­le Rol­le wird – wie in der Ver­gan­gen­heit – die Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik wahr­neh­men. Der Bera­ter wird sich wei­ter­hin mit der Fra­ge quä­len: Habe ich die­ses Unter­neh­men fun­diert bera­ten, und habe ich ihm jene Wege und Mög­lich­kei­ten auf­ge­zeigt, wel­che der See­le des Unter­neh­mens am ehe­sten ent­spre­chen? Nur dar­um geht es!

Der Bei­trag ist zuerst im Sam­mel­band „OFFICE PIONEERS: Aus­blicke auf das Büro 2030, Band 2“ erschie­nen.

Abbil­dung: Mar­cel A. Fuchs

 

Mar­cel A. Fuchs,

Orga­ni­sa­ti­ons­be­ra­ter, Arbeitsplatzplaner,

Total Office Per­for­mance AG.

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