Vertrieb im Wandel #3: Gruppendynamiken effizient steuern

Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge Chri­sti­an Bern­hardt beschreibt in sei­ner Kolum­ne, wel­che Fähig­kei­ten für das Key Account Manage­ment essen­zi­ell sind. Teil drei zeigt, wie Key Account Mana­ger effi­zi­ent die Grup­pen­dy­na­mik lenken. 

Wer Gruppen effizient führen möchte, muss zuvor verstehen, wie sie funktionieren und zusammengesetzt sind. Abbildung: Monkeybusiness, Depositphotos
Wer Grup­pen effi­zi­ent füh­ren möch­te, muss zuvor ver­ste­hen, wie sie funk­tio­nie­ren und zusam­men­ge­setzt sind. Abbil­dung: Mon­key­busi­ness, Depositphotos

Wie im vor­an­ge­gan­ge­nen Teil unse­rer Kolum­ne beschrie­ben, ent­schei­den Kun­den in kom­ple­xen Sales-Situa­tio­nen mehr und mehr im Kon­sens. KAM prä­sen­tie­ren ihre Lösun­gen und Ange­bo­te vor Buy­ing Cen­tern und mode­rie­ren abtei­lungs­über­grei­fen­de Work­shops. Wer dabei die unge­schrie­be­nen Geset­ze der Grup­pen­dy­na­mik nicht beherrscht, ris­kiert, dass die gan­ze vor­he­ri­ge Arbeit zunich­te­ge­macht wird. Wenn ein Gre­mi­um nicht zuein­an­der fin­det, schei­tern Pro­jek­te und Kauf­ent­schei­dun­gen wer­den zwangs­läu­fig auf die lan­ge Bank geschoben.

Wie Gruppen funktionieren

Um Grup­pen effi­zi­ent zu füh­ren und zu sta­bi­li­sie­ren, müs­sen wir zunächst ver­ste­hen, wie sie ticken. Hier­für hat sich das Rie­mann-Tho­mann-Modell bewährt. Es beschreibt unser mensch­li­ches Ver­hal­ten anhand von zwei grund­le­gen­den Ach­sen: Raum und Zeit. Beim Raum bewe­gen wir uns zwi­schen den Polen Nähe (Wunsch nach Kon­takt zu ande­ren) und Distanz (Bedürf­nis nach eige­nem Raum und Abgren­zung). Bei der Zeit pen­deln wir zwi­schen Dau­er (Wunsch nach Struk­tur, Kon­ti­nui­tät und Vor­her­seh­bar­keit) und Wech­sel (Drang nach Abwechs­lung, Fle­xi­bi­li­tät und neu­en Impulsen).

Je nach­dem, wel­che Pole in einer Grup­pe domi­nie­ren, ent­ste­hen vier unter­schied­li­che Grup­pen­ty­pen, die alle ihre eige­nen Stär­ken und Schwä­chen mit­brin­gen (Abbil­dung):

  • Die schlag­kräf­ti­ge Trup­pe (um die Pole Dau­er & Distanz): Ihr ober­stes Ziel ist Lei­stung. Sie agiert äus­serst dis­zi­pli­niert, sach­lich und ziel­ori­en­tiert, neigt aber im Extrem­fall auch zu Käl­te und Intoleranz.
  • Der wil­de Hau­fen (um die Pole Distanz & Wech­sel): Hier herrscht die Frei­heit. Die­se Grup­pe ist extrem selbst­stän­dig und impro­vi­sa­ti­ons­stark, ris­kiert aber, sich in Unver­bind­lich­keit und Cha­os zu verlieren.
  • Das erfri­schen­de Team (um die Pole Wech­sel & Nähe): Das Team sucht nach Leben­dig­keit. Die Bezie­hun­gen sind her­vor­ra­gend. Krea­ti­vi­tät spru­delt, doch es man­gelt oft­mals an Struk­tur und Disziplin.
  • Die kusche­li­ge Gemein­schaft (Nähe & Dau­er): Sie sucht vor allem Sicher­heit. Das Wir-Gefühl ist enorm stark, birgt aber die gros­se Gefahr von Zwangs­so­li­da­ri­tät, Grup­pen­den­ken und völ­li­gem Stillstand.
Vier Gruppentypen im Riemann-Thomann-Modell (nach Eberhard Stahl). Abbildung: Christian Bernhardt
Vier Grup­pen­ty­pen im Rie­mann-Tho­mann-Modell (nach Eber­hard Stahl). Abbil­dung: Chri­sti­an Bernhardt

Gruppen mit dem richtigen Methoden-Mix balancieren

Um die Grup­pe hand­lungs­fä­hig zu hal­ten, gilt es, ihre Extre­me durch die pas­sen­den Metho­den aus­zu­glei­chen, denn auch die­se las­sen sich durch ihre Wir­kung auf die Grup­pe im Rie­mann-Tho­mann-Modell ver­or­ten. Wenn Sie bei­spiels­wei­se spü­ren, dass Sie einen chao­ti­schen „Hau­fen“ vor sich haben, müs­sen Sie den Dau­er-Pol stär­ken: Nut­zen Sie Time­boxing-Tech­ni­ken für enge Zeit­fen­ster oder las­sen Sie Ergeb­nis­se prio­ri­sie­ren und schrift­lich auf Mode­ra­ti­ons­kar­ten fixie­ren. Das schafft die nöti­ge Ver­bind­lich­keit und bringt Fokus. Ste­hen Sie hin­ge­gen vor einer unter­kühl­ten „Trup­pe“, gilt es, die­se auf­zu­tau­en, indem Nähe und Wech­sel sti­mu­liert wer­den. Las­sen Sie die Teil­neh­mer in inti­men Drei­er­grup­pen über hypo­the­ti­sche Wunsch­zu­stän­de dis­ku­tie­ren und das am besten ohne star­re Zeit­vor­ga­ben. So lockern Sie die distan­zier­ten Struk­tu­ren auf und för­dern das krea­ti­ve Miteinander.

Fazit

Behan­deln Sie nicht jede Kun­den­grup­pe gleich. Wenn Sie ver­su­chen, eine har­mo­ni­e­süch­ti­ge „Gemein­schaft“ mit noch mehr Dau­er-Metho­den zu füh­ren, zemen­tie­ren Sie deren Ver­wei­len in der Kom­fort­zo­ne und es kommt zum Still­stand. Wech­seln Sie statt­des­sen bewusst auf die Meta-Ebe­ne: Agie­ren Sie als auf­merk­sa­mer Archi­tekt der Grup­pen­dy­na­mik, arbei­ten Sie an der Grup­pe statt in ihr und machen Sie so selbst die schwie­rig­sten Grup­pen effi­zi­ent und entscheidungsfreudig.

Chri­sti­an Bernhardt,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge, Kör­per­spra­chen­trai­ner, Coach, Autor.

bernhardt-trainings.com