Vertrieb im Wandel #4: Überzeugend präsentieren

Der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge Chri­sti­an Bern­hardt beschreibt in sei­ner Kolum­ne, wel­che Fähig­kei­ten für das Key Account Manage­ment (KAM) essen­zi­ell sind. Teil vier erläu­tert die Bedeu­tung von Prä­sen­ta­ti­ons­kom­pe­ten­zen für erfolg­rei­che Vertragsabschlüsse. 

Eine gute Präsentation des Angebots entscheidet oft massgeblich über dessen Erfolg. Abbildung: Vectorfusionart, Depositphotos
Eine gute Prä­sen­ta­ti­on des Ange­bots ent­schei­det oft mass­geb­lich über des­sen Erfolg. Abbil­dung: Vec­tor­fu­sion­art, Depositphotos

Stei­gen­de Com­pli­ance-Anfor­de­run­gen, aber auch simp­le Vor­tei­le für den Ein­kauf füh­ren dazu, dass Anbie­ter immer häu­fi­ger an Aus­schrei­bun­gen teil­neh­men müs­sen, um neue Auf­trä­ge zu erhal­ten. Dann ent­schei­det die Per­for­mance und Pitch-Kom­pe­tenz des KAM über Sieg oder Nie­der­la­ge. Auch wenn die KI die Foli­en designt – für den über­zeu­gen­den Pitch braucht es den Men­schen, denn häu­fig schlies­sen die Jury und das Buy­ing Cen­ter vom Auf­tritt des KAM direkt auf die Qua­li­tät des Angebots.

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Unser Gehirn tickt archa­isch: Der erste Ein­druck ent­steht unbe­wusst in 26 bis 150 Mil­li­se­kun­den. Ein­mal gefällt, wirkt er als Fil­ter für die fol­gen­den Bot­schaf­ten. Passt der Auf­tritt dem Kun­den nicht, wird er jedes noch so gute Sach­ar­gu­ment im Nach­gang unbe­wusst ent­wer­ten. Der Schlüs­sel zum Erfolg ist es also, trotz des hohen Drucks sou­ve­rän zu blei­ben, den Raum aus­zu­fül­len und die unbe­wuss­ten Mecha­nis­men, die die Ent­schei­dung der Kun­den-Jury beein­flus­sen, für sich arbei­ten zu lassen.

Um die eige­ne Ner­vo­si­tät zu sen­ken, emp­fiehlt die ame­ri­ka­ni­sche Sozi­al­psy­cho­lo­gin Amy Cud­dy ein kogni­ti­ves Ref­raming: Stu­di­en zei­gen, dass Pro­ban­den, die das Herz­klop­fen vor einer Prä­sen­ta­ti­on nicht als Ner­vo­si­tät, son­dern als Vor­freu­de inter­pre­tie­ren, anschlies­send erheb­lich sou­ve­rä­ner auf­tre­ten. Ein wei­te­rer Pro­blem­punkt sind die Hän­de: Legen Sie die­se ein­fach auf Bauch­na­bel­hö­he inein­an­der. Das senkt den Stress und ermög­licht anschlies­send eine natür­li­che Gestik, die sich vom Bauch­na­bel her öff­net. Kör­per­spra­che-Exper­ten emp­feh­len, von vor­ne rechts zu prä­sen­tie­ren (aus Sicht des Publi­kums) – da Rei­ze von rechts in der posi­tiv gestimm­ten lin­ken Amyg­da­la ver­ar­bei­tet wer­den, ver­bes­sert die Posi­ti­on den Ein­druck, den man hin­ter­lässt und erhöht die Erin­ne­rung an das Gesagte.

Mit der passenden Struktur zum Erfolg

Ein ent­schei­den­der Punkt ist laut dem Pitch-Exper­ten Nico Gund­lach die Unter­schei­dung, ob die Situa­ti­on einen hori­zon­ta­len oder ver­ti­ka­len Pitch erfordert.

Im Wett­be­werb mit ande­ren Anbie­tern braucht es den hori­zon­ta­len Pitch. Hier gilt die alte Sales-Regel „Tel­ling is not sel­ling“. Ver­mei­den Sie also die Quan­ti­täts-Fal­le. Es geht um Klas­se statt Mas­se: Wäh­len Sie die drei stärk­sten Argu­men­te, die es für eine effek­ti­ve Lösung des Pro­blems des Kun­den braucht und visua­li­sie­ren Sie die­se drei Punk­te auf einem Flip­chart, dass sie sepa­rat auf­stel­len. Wäh­rend Sie auf dem ande­ren Flip­chart die ein­zel­nen Punk­te aus­füh­ren, hat die Jury die drei Erfolgs­fak­to­ren also stets vor Augen und nutzt sie anschlies­send unbe­wusst auch als Scha­blo­ne für die Ange­bo­te der Wettbewerber.

Für Ange­bo­te, bei denen man sich nicht gegen ande­re Anbie­ter durch­set­zen muss, emp­fiehlt Gund­lach den ver­ti­ka­len Pitch: Bei die­sen gilt es, den Kun­den für eine gemein­sa­me Visi­on zu begei­stern und mit pas­sen­den Requi­si­ten zu arbei­ten, um Bil­der in die Köp­fe der Zuschau­er zu zau­bern, die schliess­lich zur posi­ti­ven Ent­schei­dung führen.

So beherrschen Sie charismatisch den Raum

Die bei­den Manage­ment­be­ra­ter Dihs­mai­er und Paschen beschrei­ben, dass Men­schen ande­ren auf der psy­cho­lo­gi­schen Ebe­ne dann Cha­ris­ma zuschrei­ben, wenn die­se ihre unbe­wuss­ten Äng­ste kom­pen­sie­ren. Für den cha­ris­ma­ti­schen Auf­tritt kann das Rie­mann-Tho­mann-Modell genutzt wer­den, da es auf den vier mensch­li­chen Grund­äng­sten auf­baut: Angst vor Ein­sam­keit, Angst vor Auto­no­mie­ver­lust, Angst vor Kon­troll-Ver­lust und Angst vor Mono­to­nie. KAM kön­nen das Kli­ma im Rie­mann-Tho­mann-Kreuz sta­bil hal­ten, indem sie die mit den ver­schie­de­nen Äng­sten ver­bun­de­nen Erwar­tun­gen bedie­nen: Um die Dau­er-Ori­en­tie­rung zu erfül­len, kön­nen sie Hand­outs aus­tei­len, die Sti­mu­lanz lässt sich durch schnel­le­re Foli­en- und Medi­en­wech­sel ver­bes­sern, die Bedürf­nis­se des Nähe-Pols wer­den durch eine höhe­re Inter­ak­ti­on befrie­digt und jene des Distanz-Pols durch kur­ze Denkpausen.

Durch die­sen ganz­heit­li­chen Ansatz wei­chen KAM von star­ren Stan­dard-Prä­sen­ta­tio­nen ab. Sie bin­den die Zuhö­rer emo­tio­nal ein, strah­len tie­fe Angst­frei­heit aus und ver­schie­ben das Beur­tei­lungs­ra­ster der Ent­schei­der so ele­gant zu Ihren Gun­sten, dass die Kon­kur­renz an der gesetz­ten Mess­lat­te scheitert.

Chri­sti­an Bernhardt,

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­ge, Kör­per­spra­chen­trai­ner, Coach, Autor.

bernhardt-trainings.com