Das neue Normal: Hybrides Arbeiten

Zahl­rei­che Office-Worker arbei­ten aktu­ell hybrid. Sicher ist: Die­se Arbeits­form ist gekom­men, um zu blei­ben. Aber was ist Hybrid Working eigent­lich genau und wie ent­wickelt es sich? OFFICE-ROXX-Chef­re­dak­teur Robert Nehring gibt einen Überblick.

Zukünftige Büroarbeit wird an verschiedenen Orten stattfinden. Abbildung: Andrea Piacquadio, Pexels
Zukünf­ti­ge Büro­ar­beit wird an ver­schie­de­nen Orten statt­fin­den. Abbil­dung: Andrea Pia­c­qua­dio, Pexels

Hybrid Working – das The­ma könn­te aktu­el­ler kaum sein. Das Home­of­fice hat sich als Alter­na­ti­ve zum Cor­po­ra­te Office eta­bliert. Es ist gekom­men, um zu blei­ben. Nicht nur, weil uns die Pan­de­mie noch erhal­ten bleibt, es bald zu kalt und immer öfter zu heiß sein könn­te im Büro. Vie­le haben sich ein­fach an die Heim­ar­beit gewöhnt, man­che haben sie rich­tig lieb gewon­nen und eini­ge bekom­men kei­ne zehn Pfer­de mehr aus den eige­nen vier Wänden.

Auch künf­tig arbei­ten wir also hybrid, und zwar sowohl im Cor­po­ra­te Office als auch im Home­of­fice sowie an soge­nann­ten drit­ten Orten wie Cowor­king Spaces und Cafés, Bahn­ab­tei­len und Biblio­the­ken. Aber Hybrid Working ist ein wei­tes Feld. Des­halb ein kur­zer Überblick.

Das Kind braucht einen Namen

In Bezug auf die Begriff­lich­kei­ten geht es bei der The­ma­tik etwas durch­ein­an­der. Es herrscht ein ziem­li­cher Begriffs­sa­lat aus Home­of­fice, hybri­der, fle­xi­bler, mobi­ler sowie mul­ti­lo­ka­ler Remote-Arbeit.

Hybrid bedeu­tet eigent­lich „zwei­er­lei“, wie die bei­den unter­schied­li­chen Antrie­be eines Hybrid­mo­tors. Unter dem Hybrid­mo­dell in der Arbeits­welt wird ent­spre­chend im enge­ren Sin­ne der Wech­sel von Office und Home­of­fice ver­stan­den. Hybrid kann aber auch für Ver­schie­den­ar­ti­ges ste­hen. Und tat­säch­lich meint hybri­des Arbei­ten im wei­te­ren Sin­ne den Mix aus Office, Home­of­fice und soge­nann­ten drit­ten Orten. Hybri­des Arbei­ten ist also im Grun­de fle­xi­bles Arbei­ten. Es wird in die­sem Zusam­men­hang auch oft von mobi­ler Arbeit gesprochen.

Laut einer repräsentativen Civey-Befragung im März 2022 möchten 76 Prozent mindestens einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten, aber nur 16 Prozent wieder ausschließlich ins Büro. Abbildung: Cisco
Laut einer reprä­sen­ta­ti­ven Civey-Befra­gung im März 2022 möch­ten 76 Pro­zent min­de­stens einen Tag pro Woche zu Hau­se arbei­ten, aber nur 16 Pro­zent wie­der aus­schließ­lich ins Büro. Abbil­dung: Cisco

Für man­che stellt mobi­le Arbeit auch nur ein neu­es Wort für den ange­staub­ten Begriff Tele­ar­beit dar. Tele­ar­beit ist aber defi­niert als dau­er­haf­te Heim­ar­beit, mobi­le Arbeit als nur tem­po­rä­re. In der Immo­bi­li­en­bran­che wird mobi­le Arbeit übri­gens hier und da gern mul­ti­lo­ka­le Arbeit genannt. Das hat den Vor­teil, dass man dabei nicht zuerst an das Arbei­ten wäh­rend des Rei­sens denkt. Beim hybri­den Arbei­ten geht es um Wis­sens­ar­beit – im Gegen­satz zur Arbeit in der Pro­duk­ti­on oder im Dienst­lei­stungs­sek­tor, bei denen sich die Fra­ge nach dem Home­of­fice in der Regel gar nicht stellt. Und die­se Wis­sens­ar­beit ist heu­te fast immer Bildschirmarbeit.

Hybrid Working: eigentlich nichts Neues

Wuss­ten Sie, dass hybri­des Arbei­ten im Grun­de gar nichts Neu­es ist? Klar: USA, Groß­bri­tan­ni­en, Skan­di­na­vi­en, Bene­lux und vie­le wei­te­re sind uns auch hier weit vor­aus. Und natür­lich haben selbst in Deutsch­land schon vie­le vor 2020 über­wie­gend zu Hau­se gear­bei­tet, ins­be­son­de­re Bera­ter, Krea­ti­ve, Pro­gram­mie­rer – vor allem Selbst­stän­di­ge bzw. Freelance.

Aber im Grun­de arbei­te­ten vie­le Wis­sens­ar­bei­ter bis zur Mit­te des 19. Jahr­hun­derts ganz selbst­ver­ständ­lich am hei­mi­schen Schreib­tisch, in Cafés, Biblio­the­ken – und in noblen Her­ren­klubs. Das waren nicht nur Gelehr­te, son­dern zum Bei­spiel auch Kauf­leu­te. Erst mit der Indu­stri­el­len Revo­lu­ti­on ent­stand eine weit­ge­hen­de Tren­nung von Wohn- und Arbeitsort.

Homeoffice: Entwicklung in Zahlen

Im Febru­ar 2020 zähl­ten laut einer Umfra­ge im Auf­trag des Büro­ein­rich­tungs­ver­ban­des IBA 71 Pro­zent der Beschäf­tig­ten in Deutsch­land zu den Office-Workern. Das waren 32 Millionen.

Vor der Pan­de­mie lag der Anteil der Home­wor­ker an den Gesamt­be­schäf­tig­ten in Deutsch­land laut Sta­ti­sti­schem Bun­des­amt bei rela­tiv kon­stan­ten zwölf Pro­zent. Man­che konn­ten nicht daheim arbei­ten, man­che durf­ten nicht. Aber man­che woll­ten auch nicht, obwohl sie durften.

Umfra­gen zum Home­of­fice-Anteil gibt es seit 2020 wie Sand am Meer. Die Ergeb­nis­se gehen teil­wei­se weit aus­ein­an­der. Sicher scheint, dass der Anteil 2020 steil nach oben geschos­sen ist und dem­ge­gen­über 2021 noch ein­mal zunahm. Seit Mit­te 2021 lie­gen wir Stu­di­en zufol­ge im Schnitt bei etwa einem Vier­tel aller Beschäf­tig­ten in Deutsch­land, die regel­mä­ßig im Home­of­fice arbeiten.

Laut einer Bitkom-Umfrage von März 2022 wollen 88 Prozent im Homeoffice, aber auch 80 Prozent im Einzelbüro arbeiten. Schwer zu sagen, was die Beschäftigten wirklich wollen. Abbildung: Bitkom
Laut einer Bit­kom-Umfra­ge von März 2022 wol­len 88 Pro­zent im Home­of­fice, aber auch 80 Pro­zent im Ein­zel­bü­ro arbei­ten. Schwer zu sagen, was die Beschäf­tig­ten wirk­lich wol­len. Abbil­dung: Bitkom

Im Febru­ar 2022 soll laut Bit­kom zwar sogar die Hälf­te aller Erwerbs­tä­ti­gen in Deutsch­land im Home­of­fice bezie­hungs­wei­se mobil gear­bei­tet haben. Aber der Digi­tal­ver­band erreicht bei sei­nen Home­of­fice-Umfra­gen tra­di­tio­nell Spit­zen­wer­te. Vom 11. bis 15. März 2020, also kurz vor dem ersten Lock­down, sol­len es auch schon 49 Pro­zent gewe­sen sein.

Und dann stellt sich natür­lich immer die Fra­ge nach der Zukunft. Auch hier erreicht der Bit­kom Best­wer­te: 88 Pro­zent wol­len zumin­dest gele­gent­lich im Home­of­fice arbei­ten, 80 Pro­zent aber auch im Ein­zel­bü­ro und 69 Pro­zent im Mehr­per­so­nen­bü­ro. Da ist es schwer zu sagen, was die Beschäf­tig­ten wirk­lich wol­len. Ein wei­te­rer Spit­zen­wert wur­de im Auf­trag von Cis­co ermit­telt, die ja auch ein Web­mee­ting­tool anbie­ten: Hier sol­len es nur 16 Pro­zent sein, die wie­der aus­schließ­lich ins Büro wollen.

Zwar sind die genann­ten Ergeb­nis­se reprä­sen­ta­tiv. Den­noch soll­ten sie mit Vor­sicht genos­sen wer­den. Zum einen schei­nen sie oft etwas inter­es­se­ge­lei­tet. Zum ande­ren dürf­ten sicher auch die Fra­gen, wie lan­ge man über­haupt gern arbei­ten und wie viel Geld man gern ver­die­nen möch­te, sehr hohe Wer­te ergeben.

Hybrides Arbeiten: Mein Fazit

Büro­ar­beit wird hybrid blei­ben und mul­ti­lo­ka­ler sein. Das Home­of­fice gehört zum New Nor­mal. Im Schnitt lan­den wir viel­leicht ein­mal bei einem mobi­len und einem Home­of­fice-Tag pro Woche. Dann blie­ben drei Tage fürs Büro. Home­of­fice und mobi­les Arbei­ten haben aber nicht nur Vor­tei­le. Die Her­aus­for­de­run­gen gilt es zu meistern.

Büros sind nicht vom Aus­ster­ben bedroht. Head­lines wie „Das Ende des Büros“ oder „Tod der Büro­tür­me“ sind kom­plett ver­fehlt. Weni­ger Flä­chen­be­darf durch Home­of­fice könn­te auch durch mehr Flä­chen­be­darf für grö­ße­re Begeg­nungs­zo­nen und mehr Abstand im Office kom­pen­siert werden.

Hybri­des Arbei­ten soll­te indi­vi­du­ell gere­gelt wer­den und es soll­ten immer bei­de Sei­ten dabei ein gutes Gefühl haben. Ein unein­ge­schränk­ter recht­li­cher Anspruch ist rea­li­täts­fern. Dann soll­te es auch einen recht­li­chen Anspruch auf einen Arbeits­platz im Büro geben.

Büro ist heu­te über­all da, wo man das tut, was man frü­her fast nur im Büro tat. Aber inner­halb die­ser Frei­heit muss jeder sein eige­nes Erfolgs­re­zept finden.