Luftbefeuchtung gegen die Verbreitung von Coronavirus

Das Coro­na­vi­rus hat unse­re Welt ver­än­dert. Noch immer ist die Gefahr nicht gebannt. Der pen­sio­nier­te Fach­arzt Dr. med. Wal­ter Hugento­bler hält ergän­zend zu den aktu­el­len Pan­de­mie­mass­nah­men eine zusätz­li­che Luft­be­feuch­tung für geeig­net, die Aus­brei­tung des Virus zu redu­zie­ren.

Die Sorge vor dem Coronavirus ist groß: Präventive Luftbefeuchtung könnte seine Verbreitung deutlich reduzieren. Abbildung: ©Hugentobler
Die Sor­ge vor dem Coro­na­vi­rus ist groß: Prä­ven­ti­ve Luft­be­feuch­tung könn­te sei­ne Ver­brei­tung deut­lich redu­zie­ren. Abbil­dung: ©Hugento­bler

Dra­ma­ti­sche Wochen sind ver­gan­gen, seit die chi­ne­si­sche Gesund­heits­be­hör­de die Welt­ge­sund­heits­be­hör­de dar­über infor­miert hat, dass in der Mil­lio­nen­stadt Wuhan gehäuf­te Fäl­le einer Lun­gen­ent­zün­dung mit unbe­kann­tem Erre­ger auf­ge­tre­ten sind. In kür­ze­ster Zeit ist die Anzahl der offi­zi­ell bestä­tig­ten Krank­heits- und Todes­fäl­le stark ange­stie­gen. Die Ver­brei­tung des als neu­es Coro­na­vi­rus iden­ti­fi­zier­ten Erre­gers durch Flug­pas­sa­gie­re führ­te welt­weit zum Nach­weis von Erkran­kun­gen. Am 30. Janu­ar 2020 hat die WHO den inter­na­tio­na­len Gesund­heits­not­stand erklärt.

Eine geringe Luftfeuchtigkeit von 20 bis 40 Prozent – wie beim Heizen im Winterhalbjahr üblich – begünstigt die Ansteckung. Abbildung: ©Hugentobler
Eine gerin­ge Luft­feuch­tig­keit von 20 bis 40 Pro­zent – wie beim Hei­zen im Win­ter­halb­jahr üblich – begün­stigt die Ansteckung. Abbil­dung: ©Hugento­bler

Grippale Symptome bei einem Teil der Betroffenen

Die bis heu­te ergrif­fe­nen Mass­nah­men gegen die Ver­brei­tung des Virus sind bei­spiel­los in der neue­ren Geschich­te der Epi­de­mie- und Pan­de­mie­be­kämp­fung. Ihre Wir­kun­gen und mög­li­che Neben­wir­kun­gen kön­nen aktu­ell noch nicht abge­schätzt wer­den.

Das neue Coro­na­vi­rus, des­sen gene­ti­scher Code schnell ent­zif­fert und offen kom­mu­ni­ziert wur­de, ist nahe ver­wandt mit dem SARS-Virus. Labo­ra­to­ri­en welt­weit konn­ten mit die­sen Infor­ma­tio­nen Tests für den Virus­nach­weis ent­wickeln. Das Virus soll auf einem offe­nen Fleisch­markt in Wuhan, auf dem auch leben­de Wild­tie­re ange­bo­ten wer­den, auf Men­schen über­tra­gen wor­den sein und ver­brei­tet sich nun von Mensch zu Mensch wei­ter. Es ver­ur­sacht bei einem Teil der Befal­le­nen grip­pa­le Sym­pto­me wie Husten und Atem­be­schwer­den. Auf Rönt­gen­bil­dern ist eine nicht behan­del­ba­re Lun­gen­ent­zün­dung erkenn­bar, die zum Tod füh­ren kann. Beun­ru­hi­gend ist die Tat­sa­che, dass im Ver­gleich der aktu­el­len Pan­de­mie mit der SARS-Pan­de­mie 2002/2003 sowohl die zeit­li­che als auch die räum­li­che Aus­brei­tung im aktu­el­len Fall deut­lich rascher abläuft.

Das Coronavirus verursacht grippale Symptome wie Husten oder Atembeschwerden. Oft ist eine nicht behandelbare Lungenentzündung erkennbar, die potenziell lebensbedrohlich ist. Das Coronavirus verursacht grippale Symptome wie Husten oder Atembeschwerden. Oft ist eine nicht behandelbare Lungenentzündung erkennbar, die potenziell lebensbedrohlich ist. Abbildung: ©Hugentobler
Das Coro­na­vi­rus ver­ur­sacht grip­pa­le Sym­pto­me wie Husten oder Atem­be­schwer­den. Oft ist eine nicht behan­del­ba­re Lun­gen­ent­zün­dung erkenn­bar, die poten­zi­ell lebens­be­droh­lich ist. Das Coro­na­vi­rus ver­ur­sacht grip­pa­le Sym­pto­me wie Husten oder Atem­be­schwer­den. Oft ist eine nicht behan­del­ba­re Lun­gen­ent­zün­dung erkenn­bar, die poten­zi­ell lebens­be­droh­lich ist. Abbil­dung: ©Hugento­bler

Klares Muster der Verbreitung der Viren

Die Über­le­bens­zei­ten von SARS- und MERS-Coro­na­vi­ren auf unbe­leb­ten Ober­flä­chen und als infek­tiö­se Tröpf­chen in der Luft wur­den bereits mehr­fach und umfas­send unter­sucht. Es zeig­te sich wie­der­holt ein iden­ti­sches Muster. Sehr tie­fe Tem­pe­ra­tu­ren und gerin­ge Luft­feuch­tig­keit ermög­li­chen lan­ge Über­le­bens­zei­ten der Viren auf Ober­flä­chen und in der Luft. Auch bei mitt­le­ren Tem­pe­ra­tu­ren von 20 bis 30 °C war die Über­le­bens­zeit lang – aller­dings nur, wenn die Luft trocken war. Sehr hohe Tem­pe­ra­tu­ren (> 30 °C) inak­ti­vie­ren die Coro­na­vi­ren. Dies ist der Grund, wes­halb die wie­der­hol­ten MERS-Epi­de­mi­en auf der Ara­bi­schen Halb­in­sel aus­schliess­lich in den küh­le­ren Win­ter­mo­na­ten erfolg­ten. Es ist zu erwar­ten, dass auch das aktu­el­le Coro­na­vi­rus ein ähn­li­ches Ver­hal­ten gegen­über Luft­feuch­tig­keit und Tem­pe­ra­tur auf­weist.

Das Über­sprin­gen der Spe­zi­es­gren­ze muss im Frei­en gesche­hen, dort wo sich infek­tiö­se Tie­re auf­hal­ten und der Mensch mit ihnen in Kon­takt kommt. Die Wei­ter­ver­brei­tung des Virus von Mensch zu Mensch erfolgt jedoch dort, wo sich Men­schen über­wie­gend (cir­ca. 90 Pro­zent ihrer Lebens­zeit) auf­hal­ten und ihre Kon­tak­te pfle­gen, also prak­tisch aus­schliess­lich in Gebäu­den und in öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. Dabei muss bedacht wer­den, dass sich Innen­raum- und Aus­sen­kli­ma wesent­lich unter­schei­den, wenn auf­grund tie­fer Aus­sen­tem­pe­ra­tu­ren in den Gebäu­den geheizt wird. Das Resul­tat sind Kom­fort­tem­pe­ra­tu­ren von 20 bis 24 °C, ver­bun­den mit unna­tür­lich gerin­ger Luft­feuch­tig­keit.

War­um in den Win­ter­mo­na­ten die Über­tra­gungs­si­tua­ti­on in Zen­tral- und Süd­chi­na für Coro­na­vi­ren ide­al ist? Im win­ter­li­chen Chi­na herr­schen in den offe­nen Markt­hal­len für den Fleisch­ver­kauf opti­ma­le tie­fe Tem­pe­ra­tu­ren für eine Über­tra­gung Tier–Mensch. Für die Über­tra­gungs­be­din­gun­gen von Mensch zu Mensch sind, wie bereits aus­ge­führt, die Innen­raum­be­din­gun­gen ent­schei­dend. In Zen­tral- und in Süd­chi­na lie­gen im Win­ter die Aus­sen­tem­pe­ra­tu­ren in einem Bereich, der das Behei­zen der Häu­ser erfor­dert. Die Tem­pe­ra­tu­ren lie­gen somit in den Häu­sern und öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zwi­schen 20 und 24 Grad und die Luft­feuch­tig­keit in den beheiz­ten Räum­lich­kei­ten bei gerin­gen 20 bis maxi­mal 40 Pro­zent. Das sind idea­le kli­ma­ti­sche Bedin­gun­gen für ein lan­ges Über­le­ben von SARS-Coro­na­vi­ren auf Ober­flä­chen und in der Luft und damit auch für die Über­tra­gung durch Kon­tak­te und über die Luft.

Die Infektion mit dem aktuellen Coronavirus verbreitet sich räumlich und zeitlich ungewöhnlich schnell. Sie erfolgt sowohl über die Luft als auch physischen Kontakt. Abbildung: ©Hugentobler
Die Infek­ti­on mit dem aktu­el­len Coro­na­vi­rus ver­brei­tet sich räum­lich und zeit­lich unge­wöhn­lich schnell. Sie erfolgt sowohl über die Luft als auch phy­si­schen Kon­takt. Abbil­dung: ©Hugento­bler

Luftfeuchtigkeit in Gebäuden erhöhen

Die Kli­ma­si­tua­ti­on im Frei­en, die das Über­sprin­gen der Spe­zi­es­gren­ze ermög­licht, kann vom Men­schen nicht beein­flusst wer­den. Für das Innen­raum­kli­ma aber ist er ver­ant­wort­lich. Die ent­schei­den­den Fak­to­ren Tem­pe­ra­tur, Feuch­tig­keit, Luft­wech­sel­ra­te und Frisch­luft­an­teil las­sen sich indi­vi­du­ell regeln. Da die Kom­fort­tem­pe­ra­tur mit 20 bis 24 °C vor­ge­ge­ben ist, muss das Infek­ti­ons­ri­si­ko in Gebäu­den über die Luft­feuch­tig­keit und die Lüf­tung beein­flusst wer­den. Eine Anhe­bung der gerin­gen Luft­feuch­tig­keit in den Gebäu­den durch Befeuch­tung auf rund 50 Pro­zent führt zu einer Reduk­ti­on des Über­tra­gungs­ri­si­kos. Die Stei­ge­rung der Luft­wech­sel­ra­te und ein erhöh­ter Frisch­luft­an­teil bewir­ken eine zusätz­li­che Risi­ko­ver­min­de­rung.

Die Luft­be­feuch­tung wirkt aus­ser­dem pro­ak­tiv gegen die Viren­aus­brei­tung durch Erkrank­te, auch gegen soge­nann­te „Super Spre­ader“, noch bevor Sym­pto­me auf­tre­ten, respek­ti­ve eine Dia­gno­se gestellt wer­den kann. Zudem ver­bes­sert die befeuch­te­te Luft die Abwehr­si­tua­ti­on der Atem­we­ge bei gesun­den Per­so­nen, durch effi­zi­en­te­re Rei­ni­gung der Atem­we­ge und ver­bes­ser­te Immun­ab­wehr. Die prä­ven­ti­ve Anhe­bung der im Win­ter zu gerin­gen Luft­feuch­tig­keit in den Gebäu­den ist ein kosten­gün­sti­ges und wirk­sa­mes Instru­ment zur Reduk­ti­on des Aus­brei­tungs­ri­si­kos, ohne Neben­wir­kun­gen zu ver­ur­sa­chen. Da rund 58 Pro­zent der SARS-Fäl­le durch Über­tra­gun­gen im Kran­ken­haus auf­ge­tre­ten sind, ist von der Befeuch­tung in den Kran­ken­häu­sern ein über­pro­por­tio­nal gros­ser, posi­ti­ver Effekt zu erwar­ten. Luft­be­feuch­tung kann aber auch in öffent­li­chen Gebäu­den sowie im pri­va­ten und beruf­li­chen Umfeld ange­wen­det wer­den. Die Luft­be­feuch­tung gibt der Bevöl­ke­rung ein ein­fa­ches Mit­tel in die Hand, mit dem das aktu­el­le Virus aktiv bekämpft wer­den kann, gegen das es bis jetzt kei­ne Imp­fung oder spe­zi­fisch wirk­sa­men Medi­ka­men­te gibt.

Copywright Hogentobler

Dr. med. Wal­ter Hugento­bler,

pen­sio­nier­ter Fach­arzt für All­ge­mei­ne und Inne­re Medi­zin (FMH).